Predigt zum 150. Todestag v. Erzherzog Johann von Pfarrer
Mag. Matthias Keil
Für den 16. Mai steht im kirchlichen Kalender der
Gedenktag eines heiligen mit Namen Johann. Es ist Johannes Nepomuk, der
Brückenheilige, der mit einem Heiligenschein mit fünf Sternen dargestellt wird.
Dieser Heilige ist allerdings nicht der Namenspatron von Erzherzog Johann.
Erzherzog Johann ist in Florenz zur Welt gekommen. Der Schutzheilige von
Florenz ist der hl. Johannes der Täufer und nach ihm ist auch das 13. Kind des
damaligen Großherzoges der Toskana, des spätere Kaisers Leopold II. und seiner
Frau Maria Ludovika benannt.
Erzherzog Johann ist mein Urururgroßvater, nachdem
meine Mutter, die manchen Stainzern bekannt sein wird, da sie ja hier
aufgewachsen ist, die Ururenkelin des Erzherzogs ist.
Da Erzherzog
Johann schon vor 150 Jahren gestorben ist, also zeitlich doch schon recht weit zurück
liegt, ist er für mich zunächst eher eine historische Persönlichkeit, die mir
in Denkmälern (Statue am Hauptplatz) Gedenktafeln, und Bildern entgegentritt.
Wenn ich vor einem solchen „Bildnis“ stehe und mir dann sage: „Das ist Dein
Urururgroßvater!“, dann erfasst mich regelmäßig ein gewisses Staunen und ich
kann´s zuerst oft gar nicht recht glauben.Das heurige Gedenkjahr nehme ich zum Anlass,mich intensiver mit Erzherzog Johann, meinem
Urururgroßvater zu beschäftigen, um ihn besser kennenzulernen und ihm sozusagen
über die Generationen hinweg die Hand zu reichen.
Wenn ich hier in
der Kirche von ihm spreche, dann nicht, um seine vielen Gründungen und Werke zu
nennen. Es besteht bei ihm ja ohnehin stets die Gefahr, seine Biografie zu
einer Geschichte seiner Gründungen und Institutionen zu machen.
Es geht mir
vielmehr darum, mit ihnen gemeinsam zu schauen, inwieferne das Evangelium in
seinem Leben sichtbar wird, inwieferne er es gelebt hat.
Ich möchte aus
Erzherzog Johann jetzt keinen Heiligen machen, aber bei der Beschäftigung mit
ihm ist mir doch aufgefallen, dass er ein Mensch war, für den der Glaube eine wesentliche
Rolle gespielt hat und dass dieser sein Glaube in gewissem Sinne einer der wichtigsten
Motoren und Antriebskräfte seines Denkens und Tuns gewesen ist.
In der Stainzer
Kirche hat er regelmäßig die
Gottesdienste mitgefeiert und als Patronatsherr ist er wohl sehr sorgfältig
seinen Verpflichtungen für die Stainzer Pfarrgemeinde nachgekommen.
Erzherzog Johann
und sein Glaube, davon habe wir heute in einem Referat schon viel gehört. Ich
möchte noch einige Blitzlichter nennen, die mir anhand einiger Zitate ins Auge
gesprungen sind.
Fangen wir bei
seiner Nani, bei Anna Plochl an. Im Jahr 1811 vertraut der 29ig jährige
Erzherzog seinem Tagebuch an: „Ein Wesen möchte ich, welches mir als Mensch und
nicht als Fürst zugetan… leider hindern meine Verhältnisse, ein Band wie alle
anderen Menschen zu knüpfen.“ Am Rande dieser Tagebucheintragung fügt Erzherzog
Johann im Jahre 1839 folgendes hinzu: „Das glaubte ich damals, aber die
folgende Zeit … ließ mich endlich die Möglichkeit finden und den wahren Weg
einschlagen, wunderbar wurde ich dazu geführt, nach gesammelten Erfahrungen
wurde mir Licht - das kann kein Mensch durch sich selbst, das ist eine
Erbarmung Gottes.“ Tagebuch, 3.8.1811
Und ein an anderer
Stelle schreibt er: (Brandhofer, 199): Gott hat sie (Anna) mir gegeben,
wunderbar durch sie mich auf den wahren Weg gebracht.
Der Erzherzog
vermag also in den Begebenheiten und Ereignissen des Lebens die Fügungen Gottes
zu erkennen.
Erzherzog Johann
hatte seinen ersten Wohnsitz in Vordernberg. Im Jahr 1823 hat er dort mit
großer Freude seine zukünftige Frau empfangen und in sein Haus aufgenommen. Mit
Freude will er ihr alles zeigen. In diesem Zusammenhang ist ihm der
sonntägliche Kirchgang ganz wichtig. Er schreibt: „Sonntag darauf gehen wir um
7 Uhr in die Kirche mit Freundin Paball. Erst dann, wenn wir mit Gott
angefangen, werde ich meine Übergabe beginnen und ihr (Anna) zeigen, dass ich
alles so sorgfältig geordnet, damit sie es leicht hat.
Sonntag war für
ihn also Tag des Herrn und wichtige Neubeginne hat er wohl auch sonst in die
Hände Gottes gelegt.
Dass er es sich
nicht nehmen ließ, beim Bau der Hauskapelle am Brandhof als einfacher Maurer
mitzuarbeiten, das haben wir heute schon einmal gehört, dazu muss ich nicht
mehr viel sagen.
Eine besondere
Nähe zu Gott hat Erzherzog Johann wohl auch in der Natur gespürt und erfahren.
Er berichtet von einer solchen Erfahrung, als er einmal vom Brandhof auf die
Graualm ging. (Pickl, 1982, 237: „Oben (auf der Starizen/Graualm) war mir so
wohl, ich hörte den lustigen Gesang der Ringamseln, ober mir der Himmel unter
mir die Erde, eine Ruhe über das Ganze, ich fühlte mich frei als Mensch,
wiedergegeben meinen Bergen, mein Herz zu Gott gewendet. Er, dem nichts
verborgen ist, hat gelesen mehr als ich es selbst weiss und ausdrücken kann,
was ich gefühlet, was ich gedacht.“ 15. Mai 1850. In solchen erhabenen
Augenblicken sagt er, dass er sein Herz zu Gott gewendet hatte.
Die Natur war ihm
aber auch häufig ein Bild, ein Vergleich für Wirklichkeiten des Glaubens. Im
Jahre 1857, also im Alter von 75 Jahren und 2 Jahre vor seinem Tod hält er
fest: (Pickl, 1982; 239) „Ich hatte einen herrlichen Sonnenaufgang gesehen, das
ist etwas anderes als Theater, Gesellschaften, englische Reiter etc. da zeiget
der Herr seine Herrlichkeit, seine Güte, die Strahlen der Sonne verscheuchen
die dunkle Nacht, die Kälte weichet der belebenden Wärme, so wird es am Ende
der Tage sein, da wird die Nacht des Grabes einem ewigen Tage weichen, den die
Herrlichkeit Gottes beleben wird.“ (21. April 1857) Ich denke, es ist etwas
sehr schönes, wenn die Natur so durchsichtig wird für das Evangelium, und wenn,
so wie Erzherzog Johann, jemand einen Blick für solche Zusammenhänge hat.
Neben den konkreten
Erfahrungen des Lebens, in denen er die Fügungen Gottes zu erkennen meinte,
neben der Natur, die ihm in vielfacher Weise ein Verweis auf Gottes Größe und
Güte war, neben den Gottesdiensten und persönlichen Gebeten, von denen er auch
erzählt, war es aber vor allem sein Tun, sein Leben, das vom Geist des
Evangelium durchtränkt war. Im heutigen Evangelium haben wir das Wort gehört:
„Es gibt keine größere Liebe, als wenn jemand sein Leben für seine Freunde
hingibt.“
Für genau diese
Einstellung aber, für genau diese Grundhaltung ist der Erzherzog ein lebendiges
Beispiel. Viktor von Geramb, Privatsekretär des Sohnes von Erzherzog Johann,
hatte Zugang zu den Tagebüchern und Briefwechseln des Erzherzogs und war daher
ein profunder Kenner seines Lebens und Wirkens. Als Überschrift für sein
Erzherzog Johann Buch hat er als Titel gewählt: „Ein Leben für die anderen“.
Damit hat er wohl auf den Punkt gebracht, was hinter der Vielzahl an Gründungen
und Werken steht. (Pickl, 1982; 23): „Tätig zu sein ist unsere Bestimmung“,
schreibt Erzherzog Johann einmal. Aber dieses tätig sein entsprang bei ihm
nicht einem Prestige- oder Machtstreben, sondern er sah es als eine dienende
Verpflichtung der Allgemeinheit gegenüber an. Hier ist Erzherzog Johann ganz
auf der Linie des Evangeliums.
In Stainz war
Erzherzog Johann Grundherr, später Bürgermeister, vielen Nachbar und wohl auch Freund.
Wenn wir heute in der Kirche von Stainz an Erzherzog Johann denken, dann wollen
wir nicht vergessen, dass er oft hier in dieser Kirche den Gottesdienst
mitgefeiert hat.
Mit ihnen wollte
ich auf den Glauben des Erzherzogs schauen, und ich denke, da wird bei
genauerem Hinschauen doch einiges sichtbar, wovon sonst eher wenig die Rede
ist, was einfach nicht so ins Blickfeld kommt, aber doch auch dem innersten
Wesen von Erzherzog Johann, aber auch mit seiner äußeren Wirksamkeit sehr viel
zu tun hat.
Im heurigen Jahr
wird meinem Urururgroßvater in zahlreichen Gedenkfeiern für seine
verschiedensten Verdienste gedankt. Wir wollen ihm heute hier in der Kirche
auch danken: für das Zeugnis seines christlichen Lebens! Eine Überschrift der
Kleinen Zeitung hat letztens gelautet: Erzherzog Johann, ein Glücksfall für die
Steiermark. Hier, an diesem Ort, dürfen wir ruhig auch sagen, Erzherzog Johann,
ein Segen für die Steiermark! So wollen wir unseren Dank auch an Gott richten,
dass ER unser Land mit einer solchen Persönlichkeit gesegnet hat. Amen