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Pfarre Kumitz
Zum Jahreskreis

 Die Klerikerkirche hat ausgedient

Der Missbrauchsskandal hat die katholische Kirche in eine dramatische Krise gestürzt. Das Selbstbild einer "vollkommenen Gemeinschaft" ist zerfallen. Nur Selbsterforschung, Selbstkritik und radikale Erneuerung können den Weg aus der moralischen Katastrophe weisen, meint Wolfgang Thierse.

Das Bild von Mutter Kirche ist befleckt, sie ist in einer dramatischen Krise. Viele (katholische) Christen sind tief erschüttert und beschämt über das, was jetzt an Verfehlungen und Verbrechen in kirchlichen Einrichtungen sichtbar wird. Es waren Geweihte, die in den Opfern sexueller Gewalt Jesus wieder ans Kreuz geschlagen haben – das ist das eigentlich Erschütternde! Diese Erschütterung sollte die Kirche nicht zu schnell wieder beiseite schieben. Sie hat jetzt Selbstkritik und Selbsterforschung dringend nötig. Ich wünsche mir sehr, dass meine Kirche für die Gesellschaft ein Beispiel gibt, wie man ehrlich, konsequent, nachdenklich mit einer solchen moralischen Katastrophe umgeht. Ich danke Pater Klaus Mertes dafür, dass er uns den Weg dazu zeigt.

Und wir müssen uns den nicht weiter zu ertragenden Widersprüchen einer Klerikerkirche stellen: Einerseits führt die Papst-Kirche seit Jahrzehnten einen Abwehrkampf gegen die Priesterweihe von „viri probati“, gegen die Priesterweihe von Frauen, verficht eine kaum lebbare Sexualmoral, lehnt Empfängnisverhütung ab und ebenso Donum vitae (Verein zur Förderung des Schutzes des menschlichen Lebens e. V.) und so weiter und so fort. Andererseits und zugleich deckt dieselbe Kirche jahrzehntelang sexuelle Gewalt, beschweigt und vertuscht Übergriffe von Priestern gegen Kinder, das Kostbarste, was wir haben! Zugleich umgibt sie den Zölibat und die vielfachen Verstöße gegen ihn mit einem unumstößlichen Tabu.

Das Selbstbild einer Klerikerkirche als „societas perfecta“, als „ecclesia triumphans“ ist wohl endgültig zerfallen. Begreifen wir also – mit strukturellen Konsequenzen – die Kirche so, wie sie das II. Vatikanum beschrieben hat: als wanderndes Volk Gottes. Dann hat die Kirche Zukunft, denn die Frohe Botschaft Gottes und der Dienst der Nächstenliebe werden weiterhin gebraucht – um der Menschen willen!?

Der Autor Wolfgang Thierse ist Vizepräsident des Deutschen Bundestags und langjähriges persönlich hinzugewähltes Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Gastkommentar aus www.welt.de


 Glaubensbrief

1. Der Mensch - ein Geheimnis

Das Glaubensbekenntnis der Kirche beginnt mit den beiden Wörtchen „Ich glaube" Zwei kurze Wörter nur und doch überaus inhaltsschwer. Die beiden Wörter „Ich glaube" entscheiden über unser ganzes Leben. Denn wer bin ich? Woher, warum, wozu bin ich? Kann ich wirklich glauben, d. h. Vertrauen haben? Was soll ich glauben, und wem darf ich glauben und vertrauen? Vielleicht möchte ich gerne glauben, aber ist nicht eher Grund zu Misstrauen? Überkommt uns nicht oft genug die Angst? Haben wir nicht Anlass zu skeptischer Zurückhaltung? Kann man sich in seinem Glauben auf eine bestimmte Religion oder Konfession festlegen? Darf ich mit dem Großen Glaubensbekenntnis der Kirche auch sagen: „Wir glauben"?

Unser Leben fließt dahin, Tag für Tag, Woche für Woche. Normalerweise hat alles seinen Platz und seine Ordnung. Bis eines Tages die Frage aufbricht: Wozu eigentlich das Ganze? Adam, wo bist du?

Schon ein kleines Kind, das zum Bewusstsein erwacht, stellt den Erwachsenen Fragen über Fragen. Was ist? Warum ist? Wozu ist? Die Eltern wissen oft selbst keine rechte Antwort. Im Jugendalter beginnen Menschen ihr eigenes Ich zu entdecken. Sie wollen ihr Leben nunmehr selbst gestalten. Unter Protest stellen sie die Welt der Erwachsenen in Frage. Viele Eltern fühlen sich durch die Kritik ihrer heranwachsenden Kinder selbst in Frage gestellt. So kommt es zum Wechsel der Generationen. Jede Generation und erst recht jede geschichtliche Epoche hat ihre Art, die Dinge zu sehen, und entwickelt ihren Stil des Lebens. Wir erleben diesen Umbruch heute besonders deutlich. Was bleibt? Was können wir weitergeben? Woran können wir uns orientieren? Wo finden wir Halt, wo einen endgültigen Sinn für unser Leben?

Die Frage nach dem Sinn unseres Lebens stellt sich für jeden Menschen anders. Sie kann auftauchen als Frage nach dem Glück. Wir erfahren Glück auf unterschiedlichste Weise: wenn uns unsere Arbeit gelingt, wenn wir Erfolg haben, im Zusammensein mit einem geliebten Menschen, in der guten Tat und im Einsatz für andere, in Sport und Spiel, Kunst und Wissenschaft. Es kann sehr schnell wieder verfliegen. Herbe Enttäuschungen können sich einstellen. Was dann? Welchen Sinn hat dann das Leben? Was ist überhaupt echtes menschliches Glück? Noch intensiver stellt sich die Frage nach dem Sinn des Daseins in der Erfahrung von Leid, sei es eigenes oder fremdes Leid: unheilbare Krankheit, Kummer, Einsamkeit, Not. Welchen Sinn hat es, dass so viele Menschen unverschuldet leiden? Warum ist so viel Hunger, Elend, Ungerechtigkeit in der Welt? Warum so viel Hass, Neid, Lüge und Gewalt? Schließlich die Erfahrung des Todes, etwa wenn ein Freund oder Verwandter auf einmal nicht mehr unter uns ist oder wenn wir mit dem Gedanken an den eigenen Tod konfrontiert werden. Was ist nach dem Tod? Woher komme ich, wohin gehe ich? Was bleibt von dem, wofür ich mich eingesetzt habe?

Unsere Antworten auf diese Fragen gehen nie ganz auf. Der Mensch bleibt sich letztlich eine Frage und ein tiefes Geheimnis. Das ist seine Größe und sein Elend. Seine Größe, weil die Frage nach sich selbst den Menschen von den toten Dingen unterscheidet, die einfach vorhanden sind, wie auch von den Tieren, die durch ihre Instinkte fest in ihre Umwelt eingepasst sind. Es macht die Würde des Menschen aus, dass er sich seiner selbst bewusst und dass er frei ist, seinem Leben selbst eine Richtung zu geben. Diese Größe ist zugleich die Last des Menschseins. Dem Menschen ist sein Leben nicht nur gegeben, sondern auch aufgegeben; er muss es selbst gestalten, selbst in die Hand nehmen. Dem Sein des Menschen ist der Sinn seines Seins nicht unmittelbar mitgegeben. Das Menschsein ist deshalb ein Gang ins Offene hinein.

Wir können die Frage nach dem Sinn verdrängen, vor ihr davonlaufen oder sie als unbeantwortbar abtun. Dazu gibt es viele Möglichkeiten: Flucht in die Arbeit, in den Betrieb, in den Konsum, in die Sexualität, ins Vergnügen, in den Alkohol. Doch damit betrügen wir uns nur selbst. Mit solchen Fluchtversuchen laufen wir uns selbst davon. Das Menschsein ist eine Frage, sie gehört zu unserer Würde als Menschen. Würden wir die Frage nach uns selbst nicht mehr stellen, hätten wir uns zurückentwickelt zu einem findigen Tier. So stellt sich unausweichlich die Frage: Was ist der Mensch? Wer bin ich? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?

Quelle: Kath. Erwachsenenkatechismus
Herausgeber des Glaubensbriefes:
Pfarrer Dr. Michael Unger, Andreas Hofer


 Dekalog der Gelassenheit

 

1. Heute, nur heute werde ich mich bemühen, den Tag zu leben, ohne die Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2. Heute, nur heute werde ich auf ein zurückhaltendes Auftreten achten: ich werde niemanden kritisieren, ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern - nur mich selbst.

3. Heute, nur heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin - nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt.

4. Heute, nur heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich meinen Wünschen anpassen.

5. Heute, nur heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das leibliche Leben notwendig ist, so ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

6. Heute, nur heute werde ich eine gute Tat vollbringen, und ich werde es niemandem erzählen.

7. Heute, nur heute werde ich etwas tun, wozu ich eigentlich keine Lust habe; sollte ich es als eine Zumutung empfinden, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt.

8. Heute, nur heute werde ich ein genaues Tagesprogramm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.

9. Heute, nur heute werde ich fest daran glauben - selbst wenn die Umstände mir das Gegenteil zeigen sollten -, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

10. Heute, nur heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem freuen, was schön ist, und an die Güte glauben.

Nimm dir nicht zuviel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten an jedem Tag zu jeder Stunde, und ohne Übertreibung und ohne Ungeduld.

Papst Johannes XXIII



Graz-Seckau
Ihr Pfarrer
Michael Unger

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