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Pfarre Mürzzuschlag

Clemens Krapscha in Ghana
Hier ist der ausführliche TÄTIGKEITSBERICHT
von Clemens

Ghanareise(58 Bilder mit Beschreibung)
Diashow mit Beschreibung  20.12.2007


Briefe von Clemens 2007:

Hier klicken um zu den Briefen von 2008 zu gelangen.

Liebe Freunde!
 10.12.2007
Habe von Clemens aus Ghana einen Hilferuf bekommen.
Zu Beginn des Herbstes habe ich ja schon einen Laptop für einen Lehrerkollegen, der noch eine weitere Ausbildung auf der Uni macht, mit eurer Hilfe organisiert.
Jetzt bittet mich Clemens darum, auch ein wenig Geld für den besagten Lehrerkollegen aufzutreiben, da er sich die Studiengebühren fast nicht leisten kann.
Wenn also jemand einige Euro entbehren kann, werde ich sie bei meinem Besuch ab 20,12,2007 in Ghana übergeben.
Es handelt sich um 6 Millionen Cedis, das sind ungefähr 400 Euro.
Wenn wir etwas zusammenlegen kann vielleicht ein großer Teil als Weihnachtsgeschenk für Joseph überbracht werden.
Joseph hat auch einige Unterlagen aus Ghana mitgeschickt, die ich gerne weiterleite.
 
Eure Spenden bitte auf folgendes Koto:    
Krapscha BLZ.: 38240   Kto.: 3001518   Kennwort „Joseph“
 
Mit lieben Grüßen!

Sunyani, 12.11.2007

Ein Sarg wie ein Auto
Clemens bemüht sich, seine Schülerinnen für die externe Prüfung fit zu machen und muss zu einem afrikanischen Begräbnis.

Zurzeit ist in unserem Projekt sehr viel Arbeit. Im Oktober hatten wir noch sechs extra schulfreie Tage. Im November hingegen gibt es keinen einzigen. Das bedeutet, dass wir nun vier Wochen durchgehend unterrichten. Die vier Wochen sind allerdings schon gut geplant und die Zeit wird dringend benötigt, um unsere Schüler auf die externen Examen vorzubereiten. Im November hat jede Abteilung ihre Prüfungen, welche unsere Schüler allerdings nicht an unserer Schule ablegen können, sondern extern an Instituten machen müssen. So ist das ghanaische Schulsystem.

Überstunden für die Schülerinnen
Für mich heißt das im Speziellen, dass ich beispielsweise den Unterrichtsplan, welchen ich mir zurechtgelegt hatte, einige Wochen aussetzten muss und Wiederholungen mit den Schülern mache. Letzten Samstag hatte ich um neun Uhr in der Früh für meine Schüler aus TC3 eine Extrastunde. Diese muss natürlich auch vorbereitet werden, so dass ich an meinem freien Tag um sieben Uhr dreißig aufstehen musste.
Wenn mich jemand vor sechs Wochen noch gefragt hätte, ob ich Extrastunden gebe und an meinem freien Tag in der Früh noch mit ihnen schnell etwas aus dem Lehrstoff durchgehe, hätte ich mit ziemlicher Sicherheit nein gesagt. Jetzt sind mir die eigenen Schüler schon so wichtig geworden und es haben sich auch Freundschaften zwischen mir und einigen Schülern gebildet, so dass ich alles daransetze, dass möglichst viele diese externe Prüfung bestehen.

Von einer schwarzen Kobra gebissen
Letzten Freitag war ich auf einem Begräbnis. Der Watchman von unserem Mädchenheim wurde letzte Woche von einer schwarzen Kobra gebissen. Weil er Probleme mit seiner Versicherung hatte, wurde er im Krankenhaus nicht gleich an die Reihe genommen und starb leider noch am selben Tag. Normalerweise hat man gute Chancen einen Schlangenbiss zu überleben. Unser Watchman hatte leider Pech, dass es so eine große und vor allem giftige Schlange war und dass er dann noch Probleme mit der Versicherung hatte.

Ein Sarg mit Fenstern und Vorhängen
Auf jeden Fall war ich am Freitag mit einigen Lehrern und meinen Schülerinnen auf diesem Begräbnis, an dem sicherlich halb Odumase teilnahm. Wenn man in Afrika stirbt, dann muss zuerst der Tote schön aufbereitet werden. Er kommt dann in einen Sarg, der z.B. die Form eines Autos hat, wenn er Taxifahrer war oder irgendeine andere Form. Oder er kommt in einen Sarg mit Fenstern und Vorhängen. Für mich sehr kitschig, aber hier gilt: je kitschiger umso besser. Ich habe diesen Mann, glaube ich, einmal kurz gesehen, aber es war wichtig, dass so viele wie möglich zu diesem Begräbnis kommen, damit seine Seele nicht hier auf der Erde bleibt.

Brettspiele beim Begräbnis
Mit einem Begräbnis, so wie wir es kennen, hatte dieses wenig zu tun. Es wurde laute Musik gespielt, getanzt, Brettspiele gespielt und viel geredet. Ich musste rund 200 Leuten die Hand geben und durfte aber auf keinen Fall von links nach rechts gehen, sondern musste immer schauen, dass ich von der rechten Seite komme. Es gab so viele Regeln, die ich bei der Verabschiedung des Toten beachten musste, dass ich froh war, dass Frieda, unsere Englischlehrerin an der Schule, mir immer hinten nach war und mir ins Ohr flüsterte, was ich als nächstes zu tun habe und was ich sagen soll.

Ich weiß, dass ich nichts weiß
Oft denke ich mir unter der Woche, dass ich die Menschen hier nach drei Monaten mittlerweile schon gut kenne und dass mich nicht mehr viel wundern oder auch erschrecken kann. Wenn ich aber dann wieder auf solche Veranstaltungen gehe wie dieses Begräbnis am Freitag, sehe ich, dass ich eigentlich noch gar nichts weiß und auch kaum die Menschen verstehe, die hier leben.

Liebe Grüße Clemens

Wasserfall
Sunyani, 5.11.2007

Bei den Wasserfällen von Kintambo
Clemens hatte Malaria und genießt einen traumhaft schönen Platz im Dschungel

Meine erste Malaria ist überstanden und bereits ein Sechstel des Schuljahres ist vorbei. Zurzeit haben wir gerade Ferien, die wir gleich nutzen, um unsere Computerräume einmal total auszuräumen, alles durchzuchecken und neu zu verkabeln. Ein Haufen Arbeit! Man kann mit einem Tag pro Computerraum rechnen. Von in der Früh beginnend, bis am Abend alles neu verkabelt ist und funktioniert, dauert es eine lange Zeit. Nach diesen Tagen des harten Arbeitens, während sich unsere Schüler ein schönes Leben machten, entschlossen wir uns auch einen Tag so richtig frei zu nehmen und fuhren zu den Wasserfällen von Kintampo.

Wie im Paradies
Es ist ein Platz, wie man ihn nur aus Filmen und von Werbebildern kennt. Mitten im Dschungel gibt es einige Wasserfälle, welche stufenförmig aufgebaut sind. Man kann von einer Ebene zur nächsten klettern, bis man am Ende vor einem fünf Meter hohen Wasserfall steht. Dieser hat trotz seiner geringen Höhe eine gewaltige Kraft, aber dennoch nicht zu stark, um einmal eine kurze Dusche unter dem Wasser zu nehmen, welches donnernd nach unten fällt. Auch ist das Wasser dort tief genug, um von den kleineren Wasserfällen zu springen oder um einfach nur zu schwimmen. Außer uns war an diesem Tag keiner dort. Nur wir vier, unser Taxifahrer und am späten Nachmittag noch eine Schulklasse, die sich aber nicht ins tiefere Wasser traute, weil nur zwei oder drei Schüler schwimmen konnten.
Ich bin so begeistert von diesem noch fast unberührten wunderschönen Platz, dass es mir schon wieder leichter fällt, an meine Stunden zu denken und diese vorzubereiten.

Liebe Grüße ohne Malaria              Clemens

Wasser

Hallo an alle in Österreich!                   16.10.2007

Der Geburtstag von Clemens wurde kräftig gefeiert, die Volontäre bekommen eine Haushaltshilfe und Clemens hat Rasta-Zöpfe.


Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass ich mich gemeldet habe. Es ist halt hier so, dass man nicht immer leicht ins Internet kommt und auch die Aufgaben im Projekt werden immer mehr. Heute ist Montag und, da am Samstag ein Feiertag für alle Moslems war (Ende des Ramadan), wird einfach heute nicht gearbeitet. Weil sonst würde man hier ja einen freien Tag verlieren. Mir gefällt das, da ich ohnedies mehr als genug zu erledigen habe.


Ein ziemlich feuchtes Geburtstagsfest

Was hat sich sonst noch getan, seit meiner letzten Meldung: Ich habe am 5. Oktober eine Geburtstagsfeier gemacht, bei der ich gleich zweimal übergossen wurde. Einmal mit Wasser, wie es hier so üblich ist und einmal mit Bier und Cola. War ein ganz netter Abend und am nächsten Tag in der Früh, sind wir vier Volontäre und noch einige Lehrer und Freunde von Joseph mit ihm nach Kumasi gefahren, um seine Verlobung zu feiern. Als wir dort ankamen, war nichts fertig. Gerade einmal ein Zelt war aufgebaut und sonst nichts. So haben wir drei Stunden unter dem Zelt gewartet bis endlich alles fertig war.


Redner bei einer Verlobungsfeier

Eine Verlobung hier heißt ewig lange Reden, essen, tanzen und trinken. Natürlich wurde das meiste in Twi gesprochen, was es für uns nicht unbedingt leicht machte, der ganzen Zeremonie zu folgen. Aber durch Erklärungen der Lehrer haben wir dann alles verstanden. Es war aber interessant und wir vier Obrunis haben dem Verlobungspaar teilweise die Show gestohlen. Da ging immer ein Aufschrei durch die Menge, wenn wir tanzen gingen oder einmal hielt ich sogar eine Rede. Ich hatte keine Ahnung was ich sagen sollte, aber es hat ganz gut funktioniert und ich bekam einen reißenden Applaus als ich fertig war.


Salesianeressen im Restaurant

Die Wochen vergehen hier so schnell. Ich merke das immer am „Salesianeressen“. Jeden Samstag sind wir bei den Salesianern zum Abendessen eingeladen. Das freut uns immer sehr, weil da gibt es einmal etwas anderes als Nudeln, Brote, Reis und halt was sonst noch die schnelle Küche hergibt.
Am Freitag waren wir dann mit unserem Direktor und dem obersten Salesianer, was die Schule betrifft, zusammen essen. Im besten Restaurant der Stadt.


Sex mit den Schülerinnen

Ich dachte schon, dass sie mit uns über einige Dinge sprechen wollen, die in der Schule gerade aktuell sind, da wir am Freitag in der Früh einen Brief bekommen haben, in dem es um die Unpünktlichkeit der Lehrer und um das Verhältnis der Lehrer zu den Schülerinnen ging. Leider ist es hier in Ghana in den Schulen oft üblich, dass die Lehrer sexuelle Verhältnisse zu den Schülerinnen haben. Unser Direktor, Frater Peter, führt hier schon seit seiner Ankunft vor vier Jahren einen erbitterten Kampf gegen diesen Zustand. Leider ist das einigen ghanaischen Lehrern nicht beizubringen und so mussten in den letzten Jahren einige ihre Koffer packen und die Schule verlassen. Auch heuer glaube ich wird wieder jemand gehen müssen. Wie gesagt, am Freitag waren wir eingeladen und wir dachten, es wird sicher über dieses Thema gesprochen. Da ich der Lehrer der ganzen TC-Abteilung bin, in der die meisten unserer Mädchen sind, betrifft es mich besonders.


Eine Haushaltshilfe soll kochen

Aber das eigentliche Thema war, dass die Salesianer sich für unsere Arbeit bedanken wollten und uns eine Haushaltskraft verschaffen wollen. Eine Haushaltskraft wie sie sich das vorgestellt haben, die 40 Stunden in der Woche für uns kocht, wäscht, putzt und sonst alles erledigt, was im Haus anfällt, wollten wir nicht. So haben wir uns darauf geeinigt, dass sie vier Mal in der Woche am Abend für uns kocht, einmal in der Woche das Haus putzt und einmal in der Woche unsere Kleidung wäscht. Das finde ich super, da durch diese Hilfe viel Spannung zwischen den Volontären ausgeräumt wird. Seit wir da sind ist die Reinlichkeit des Hauses eine Streitfrage und es haben sich schon nach wenigen Wochen zwei Lager gebildet, die unterschiedliche Ansichten haben, was sauber ist und was nicht. Trotz alledem kommen wir gut mit einander aus und es schaut immer ein jeder, dass er dem anderen etwas entgegen kommt.


Eine neue Frisur

Letzten Samstag waren Wolfi und ich beim Friseur und bekamen total neue Hairstyls. Wolfi bekam Konrows und ich Rasta. Sieht voll cool aus, tat aber ungeheuer weh. Ich hatte Tränen in den Augen, als sie mich stylten und wenn es nicht total blöd ausgesehen hätte, dann hätte ich nach der Hälfte Schluss gemacht. Vier Stunden und fünfzehn Minuten haben sie mich bearbeitet. Aber wenn ich mich jetzt im Spiegel betrachte, war es das absolut mal wert. Ob ich’s so schnell dann mal wieder mache, weiß ich nicht, aber zu überlegen ist es. Fragliche Komplimente habe ich seit Samstag bekommen. Die einen sagen es sieht voll cool aus, andere sagen es steht mir gut, einer hat gesagt, ich schau jetzt dumm und gefährlich aus und viele Ghanaer haben gesagt, ich schau aus wie eine Frau. Weil nur Frauen Rasta tragen und die Männer eine 0,05mm Frisur haben. Aber bei Obrunis geht das, dass man so etwas als Mann macht und nicht gleich für verrückt erklärt wird, weil wir immer etwas längere Haare tragen als die Afrikaner.
So das war’s mal wieder. Alles was mir so auf die Schnelle eingefallen ist, was in den letzten zwei Wochen bei uns so los war.

Liebe Grüße

Clemens

Sunyani, 16.10.2007





"Alle glauben an den Tschu Tschu Fluch!"
Als Informatik-Lehrer steht der HTL-Maturant Clemens Krapscha nun auf der anderen Seite des Lehrertisches. Hierbei macht er jeden Tag neue Erfahrungen:

Sunyani, 3.10.07

Am 17. August begann bei uns das neue Schuljahr, und damit unsere wirkliche Arbeit. Die Wochen zuvor nutzten wir für die Anerkennung der Schule als ICDL (International Computer Driving License) Center, zur Stundenvorbereitung, zum besseren Kennenlernen der Kulturen und Menschen hier, zum Verbessern unserer Sprachkenntnisse und zum Reisen. Am 23. August haben wir dann auch zum Glück die lange herbeigesehnte Verstärkung bekommen. Der vierte Volontär für die Computerabteilung ist angekommen. Patrick aus Osttirol wird mit uns dieses Jahr bestreiten.


Wir unterrichten Informatik

Nun hat uns aber der wirklich harte Arbeitsalltag eingeholt. Patrick und David sind hauptsächlich für die Hardwareabteilung zuständig, während Wolfgang für ein wenig Hardware und hauptsächlich ICDL zuständig ist und ich mich um die Typing and Computing-Abteilung kümmere und am Nachmittag noch ein wenig ICDL unterrichten werde.


Unsere Schule besuchen auch Angestellte der Goldfirma

Das Schuljahr hat nun schon begonnen und wir merken, dass wir von Tag zu Tag mehr übers Unterrichten lernen. Wenn ich jetzt schon an meinen ersten Schultag als Lehrer zurückdenke, fallen mir sofort einige Fehler ein, die ich jetzt nicht mehr mache. Diesen Montag begann bei uns der erste von drei ICDL Kursen für Auswärtige. Damit sind Angestellte der Goldfirma, die sich ganz in unserer Nähe befindet, Bankangestellte, Bürofachkräfte und alle gemeint, die genügend Geld und berufliches Interesse besitzen diesen Kurs zu machen. Wir rechnen für den ersten Kurs mit einer Auslastung von ca. 40Prozent, das heißt, dass wir in etwa 12 Schüler haben werden, denen wir in nur 11 Wochen den Stoff des ICDL‘s beibringen müssen.

Manchmal sind die Schüler begriffsstutzig

Was das Unterrichten angeht: Hin und wieder hat man Stunden, welche einem ein ungeheures Hochgefühl geben, wenn man sieht, dass die Schüler den Stoff der Unterrichtseinheit verstanden haben und sie ihn auch anwenden können. Manchmal geht man aber auch aus einem Klassenraum und denkt sich nur: So begriffsstutzig kann doch kein Mensch sein. Das denkt man sich meistens, wenn man mit einem neuen Kapitel begonnen hat und am Ende der Stunde eine kleine Fragerunde beginnt. Deswegen hab ich mir angewöhnt, neue Kapitel immer am Wochenanfang zu machen, wenn ich noch motiviert und gut gelaunt aus dem Wochenende komme und dann die ganze restliche Woche vertiefend das Thema behandle. Das funktioniert ganz gut und am Freitag schreibe ich dann meistens kleine Wiederholungen, die das Gelernte noch einmal festigen sollen.

Zurzeit ist unsere Arbeit hier ein full time job, wird aber dann Mitte Dezember wieder weniger, wenn der erste ICDL Kurs beendet ist.

Alle glauben an den Tschu Tschu Fluch

Das Arbeiten hier gefällt mir sehr gut. Es wird einem hier sicher nie langweilig und die Aufgaben hier zu unterrichten sind von Tag zu Tag verschieden. Letzte Woche habe ich in der zweiten Klasse durch eine Geldabsammlung für Kopien einen Streit verursacht, bei dem die eine Schülerin die Klassenkollegin mit einem Tschu Tschu Fluch belegte. Das war eine Tragödie und die verfluchte Schülerin hatte wirkliche Todesangst. Tschu Tschu ist die alte Naturreligion ähnlich wie Voodoo, die hier noch praktiziert wird. Alle Afrikaner glauben daran. Egal, ob der ungebildete Bettler oder der Uniprofessor für Mathematik. Alle werden sagen, dass Tschu Tschu funktioniert.

Ich habe mich an die heißen Temperaturen gewöhnt.

Heute Nacht hatten wir die kälteste Nacht seit ich hier bin. Ich hab mich an die Temperaturen schon so gewöhnt, dass ich mich unwohl fühle und es mir einfach in der Früh bei 22, vielleicht 24 Grad zu kalt ist. Gott sei dank steigen die Temperaturen aber immer schnell. Jetzt ist es 11 Uhr und so um die 35 Grad Celsius warm. Gerade angenehm zum Wäsche waschen, lesen, Test korrigieren oder Stunden vorzubereiten.


Sunyani, 3.10.07                                Liebe Grüße aus Ghana Clemens Krapscha



"Die Wäsche waschen wir mit der Hand"                                   

Sunyani, Sept. 07 

Der Mürzzuschlager Clemens Krapscha leistet seit August seinen Zivildienst in Afrika. Über seine Lebensumstände berichtet er im folgenden Brief:


Unser Bungalow ist zirka 70m^2 groß. Wir haben ein großes Wohnzimmer, eine Küche mit Abstellkammer, einen langen Gang, drei Zimmer, von denen eines mit eigener Dusche und Klo ausgestattet ist. Sonst haben wir noch eine Dusche und ein Klo für die anderen beiden Volontäre. Das Haus war früher einmal das Haus der Salesianer. Wir haben mehr Platz als der normale Ghanaer. Wir wohnen zurzeit zu viert. Florian ist noch ein alter Volontär, der uns am 25. Oktober verlassen wird. Dafür kommt nächsten Monat ein neuer Volo, der uns im Computerbereich und beim Unterrichten helfen wird.

Wasser ist kein Problem
Wir haben in unserem Haus nicht nur eine Wassertoilette, sondern sogar zwei. Wasser ist zurzeit reichlich vorhanden in der Gegend. In den Großstädten, in denen ich war, kam es meistens vor, dass wir nur für wenige Stunden fließendes Wasser und Strom hatten. Bei uns im Projekt sind aber überall Wassertanks aufgestellt, die eine gute Wasserversorgung sicherstellen. Auch der Strom ist bei uns meist kein Problem, da wir auf der selben Leitung sind wie ein großes Krankenhaus in der Gegend, und somit wagt es kaum jemand, den Strom hier für längere Zeit abzuschalten. Zum Vergleich wieder Kumasi: Die Leute leben dort mit einem 36-12 Stunden Rhythmus. Das heißt, dass sie für 36 Stunden Strom haben und für 12 Stunden keinen. Es gibt hier einfach zu wenige Kraftwerke, die den Strom produzieren können, so müssen immer einige Haushalte von Zeit zu Zeit abgeschaltet werden.

Die Autos riechen nach Gas
Wir kochen mit einem ganz normalen Gasherd. Gas ist hier sehr billig, deswegen fahren auch einige Autos mit Gas, was aber nicht ganz ungefährlich ist, wenn ein Ghanaer sein Auto selbst mit einem riesigen Gastank ausstattet. Da kommt es schon einmal vor, dass das ganze Taxi nach Gas riecht und man etwas benebelt wieder aussteigt.
Wir haben einen Kühlschrank mit Gefrierfach, welches aber kaum verwendet wird. Wenn man nämlich etwas im Gefrierfach hat, was schnell verderblich ist, und dann kommt wieder ein Stromausfall für einen Tag, ist das Produkt bei der Hitze und Luftfeuchtigkeit in wenigen Stunden hin. Mikrowelle und Waschmaschine haben wir keine. Mikrowelle brauchen wir auch keine und unsere Wäsche waschen wir mit der Hand. Ziemlich aufwändig, aber es funktioniert.

Der Müll wird wieder verwendet
Die Müllentsorgung funktioniert in der Stadt so, dass die meisten Sachen einfach fallen gelassen werden. Ist aber nicht so schlimm, denn die Ghanaer können aus fast allem etwas machen und so gibt es um vieles weniger Müll als bei uns. Der größte Teil wird aber verbrannt.
Unser Projekt liegt zwischen zwei Städten. Näher an der kleineren Ortschaft Odumase mit zirka 15.000 Einwohnern als an der größeren Stadt Sunyani mit ca. 70.000 Einwohnern. Wie viele Einwohner jetzt genau in den Städten leben, kann aber niemand so genau sagen. Die Städte sind aber nicht groß und als Europäer, wenn man sie sieht, würde man niemals 70.000 Einwohner vermuten.
Asphaltiert sind nur die Hauptstraßen und von denen gibt es nicht viele. Alle anderen sind Straßen mit dieser typischen afrikanischen roten Erde. Nach Odumase ist nichts mehr asphaltiert, denn dann kommen nur noch Buschdörfer.

Die Leute sind stolz auf ihre Kirche
Kirchen gibt es unzählige. Die meisten sehen aber nicht aus wie Kirchen, sondern viel mehr wie irgendwelche Säle. Ich kenne keinen Ghanaer, der nicht an Gott glaubt. Die meisten von ihnen sind Christen aber keine Katholiken. Sie sind bei Kirchen, die recht verwandt mit der katholischen Kirche sind, aber für mich fast ein wenig Sektencharakter haben. Wenn man aber sonntags von unserer Kirche nach Hause geht, dann komme ich auf diesen 3 km langen Gehweg an sicherlich sechs Kirchen vorbei, in denen gesungen und getanzt wird. Es gibt aber auch so richtige große moderne Kirchen. Die Salesianer haben jetzt eine neue gebaut. Vier Jahre Bauzeit und in ein paar Monaten soll sie eingeweiht werden. In Odumase sind alle Einwohner furchtbar stolz auf diesen Prachtbau, der alle anderen Hütten in der Stadt bei weitem überragt.

Es gibt Plantagen mitten im Busch
Die Menschen leben hier hauptsächlich von dem, was sie am Feld anbauen. Wobei Feld ist nicht ganz richtig. Es sind kleinere Plantagen mitten im Busch. Industrie gibt es hier fast nicht. Wer nichts anbaut, der lebt von Dienstleistungen wie Haare schneiden, Schuhe putzen, Verkauf von Klopapier oder Kaugummi……. Produzieren tun die anderen Staaten. Der Export reduziert sich auf Obst wie Bananen, Mango und andere tropische Früchte und auf Gold. Ganz in meiner Nähe gibt es ein Goldbergwerk. Da arbeiten aber keine Ghanaer, sondern Engländer und Amerikaner. Die Engländer haben zwar vor 50 Jahren der Unabhängigkeit zugestimmt, die besten Sachen von Ghana haben sie sich aber behalten.

Ich arbeite in einer Berufsschule
Zum Meer sind es ungefähr 350km Luftlinie. Das heißt mit dem Trotro nach Cape Coast an die Küste braucht man 7 Stunden.
Die Schule, in der ich arbeite, ist von den Salesianern gegründet worden. Sie heißt: Don Bosco Vocasional and Technical Institute und ist eine Berufsschule. Dieses Jahr ist eine neue Reform gekommen, die es unseren Schülern erlaubt nach vier Jahren Schulzeit auf die Universität zu gehen. Es gibt hier sechs Abteilungen: Die Maurer, die Tischler, die Farmer, die Künstler, die T-Shirts und Plakate machen, die Bürofachkräfte und die Computerspezialisten. Ich unterrichte hauptsächlich die Bürofachkräfte am Computer (Microsoft Office) und drei Stunden die Computerspezialisten in Mathematik.

Die Salesianer Don Boscos sind die Schulerhalter
Das Schuljahr beginnt nächsten Montag dem 17. September. In einer Klasse sind maximal 30 Schüler und ich unterrichte hauptsächlich Mädchen, 80 Mädchen und 20 Jungs. Mädchen und Jungs ist allerdings eine etwas unpassende Bezeichnung, denn das Alter der Schüler ist zwischen 17 und 27 Jahren.
In der ganzen Schule sind zirka 25 Lehrer mit uns. Träger und Erhalter der Schule sind die Salesianer Don Boscos, die diese Schule mit Spendengeldern aus Europa, hauptsächlich aus Deutschland gegründet haben. Der Hauptsponsor aus Deutschland hat aber jetzt verkündet, dass die Schule sich in zwei Jahren selbst erhalten muss und dass er dann aussteigen wird. Jetzt werden einige Kürzungen gemacht und versucht die Arbeiten der Schüler draußen verstärkt zu verkaufen. Das betrifft uns in der Computerabteilung eher weniger, da wir hauptsächlich mit Geld aus Österreich arbeiten und für Computerklassen in Zukunft meistens Geld vorhanden sein wird. Die Computerabteilungen und Computerräume sind ein Projekt, das hauptsächlich aus Österreich finanziert wird.

Das Klima ist heiß und feucht
Nun zum Wetter: Heute ist ein normaler Tag mit 29.5 °C im Schatten und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit um 10 Uhr vormittags. Das sind die normalen Temperaturen, aber es geht auch wärmer. Seit ich hier bin, steigen die Temperaturen stetig. Am heißesten soll es so Mitte Februar werden.
Regnen tut es meistens nur kurz, dafür stark. Ich hab noch nie so einen starken Regenschauer gesehen wie hier. In kürzester Zeit verwandeln sich die Straßen in reißende Bäche. Wir sind jetzt gerade in einer Regenzeit, das heißt aber nicht, dass es jeden Tag regnet. Es gibt Wochen, da regnet es regelmäßig und dann gibt es wieder Zeiten, wo vier, fünf Tage lang kein Regen fällt. Wenn es regnet, dann kommt keiner zur Schule. Dann steht das öffentliche Leben hier still. Keiner arbeitet oder macht sonst etwas. Die Ghanaer warten oder gehen schlafen. Die Hitze ist für sie kein Problem und ich fühle mich auch ganz wohl bei den Temperaturen. Es stört mich nur beim Fußballspielen, da ich merke, dass nach kürzester Zeit die Puste aus ist.

Schöne Grüße nach Mürzzuschlag!

    Clemens Krapscha



"You are so beautiful!"

Dass Clemens ein fescher Bursche ist, weiß man in Mürzzuschlag schon. Aber in Ghana sagt man ihm das auch:

Sunyani, 13.8.2007

Ich sitze hier in einem Internetcafé in Sunyani und diesmal ist es noch langsamer und unangenehmer als das letzte Mal. Wir hatten Stromausfall Nummer zwei heute Abend schon. Drei Mal den PC starten.


"You are so beautiful!"

Eine kleine Geschichte: Samstag waren wir einkaufen - Großeinkauf weil nichts im Haus war. Weil ich einen Führerschein habe, habe ich gleich mit einem riesen Pick-up durch die engen, mit Menschen gefüllten Gassen fahren dürfen. So oft wie an diesem Nachmittag habe ich, glaube ich, noch nie in meinem Leben bisher die Hupe benutzt. Na ja, der Markt ist ein Abenteuer für sich. So viel zu sehen, zu kaufen, und zu handeln. Alleine der Fleischmarkt ist schon sehenswert. Als wir dann fertig waren, sind wir (vier Weiße und zwei schwarze Jungs, die uns tragen geholfen haben und aufs Auto aufgepasst haben) essen gefahren. Alle haben wir große Portionen gebratenen Reis mit Gemüse ein paar Fleischstücke und viel Gemüse gegessen und haben um die 2 bis 3 Euro gezahlt. Als ich da so auf der Bank sitze und aufs Essen warte, fang ich mit einem ca. 12 Jahre alten Jungen zu reden an. Wie es ihm geht, wie er heißt und so weiter.... Auf einmal sagt er: „You are so beautifull!" Das bekomme ich hier in letzter Zeit öfters gesagt. Obruni (weißer Mensch) I like your hair oder solche Sachen.

Die Leute hier sind schlecht ausgebildet

Jeden Tag erfahre ich aber, wie schlecht ausgebildet die Leute sind. Wenn sie Österreich auf der Landkarte zeigen sollen, zeigen sie nach Nordamerika und wenn sie mir Ghana zeigen sollen, zeigen sie nach Ostafrika. Und das sind meine Schüler. Nicht alle sind so, aber doch ein paar. Und die sind 21 bis 27 Jahre alt. Oder wenn wir essen gehen, dann können die Leute hier nicht rechnen und es kommt dann schon mal vor, dass wir nur die Hälfte zahlen müssen.

Liebe Grüße Clemens Krapscha   Sunyani, 13.8.2007



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Und hier ist die Seite von einem Vorgänger von Clemens:
Georg Feiner in Ghana

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