Diashow mit Beschreibung 20.12.2007
Briefe von Clemens 2008:
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Sunyani, 26.6.2008
Besuch in Kumasi
Das ganze letzte Wochenende verbrachte ich mit meinen Volokollegen in Kumasi. Wir besuchten einen Ghanaen, den Wolfgang vor seiner Abreise noch in Österreich kennen lernte. Appiah hielt an Wolfgangs Schule einen Vortrag über seine Hilfsprojekte, die er hier betreibt.
Vor vielen Jahren war Appiah ein normaler Arbeiter und Teilzeitstudent. Er studierte Elektronik, konnte sich aber nicht das volle Studium leisten. Durch Zufall lernte er einen Österreicher kennen. Dieser ist Pfarrer im Burgenland und war zu der Zeit gerade in Ghana. Er erkannte sofort das Potential des Teilzeitstudenten und sponserte einen Teil des Studiums, so dass Appiah dieses schnell abschließen konnte. Danach arbeitete er als Lehrer in Kumasi an einer, an österreichischen Verhältnissen gemessen, HTBL und war aktives Mitglied seiner Pfarrgemeinde.
Eines Tages wollte er wie an vielen anderen Sonntagen auch in eines der umliegenden Dörfer fahren um einen Wortgottesdienst mit den Leuten des Dorfes zu feiern. Doch als er im Dorf ankam, war das Bohrloch beschädigt, sodass damit kein Wasser mehr gefördert werden konnte und alles was die Leute während der Trockenzeit zu trinken hatten, war eine braune Flüssigkeit, die seinen Erzählungen nach eher nach Kakao aussah als nach Wasser. Er fuhr sofort zurück in die Stadt und kam noch zum Gottesdienst in seiner Kirche. Dort verkündete er, dass er nicht in die Dörfer fahren kann, um das Wort Gottes zu predigen, wenn die Leute dort nichts zum Trinken haben. Sofort wurde eine Sammlung gestartet, bei der so viel Geld zusammenkam, dass noch am selben Nachmittag LKWs mit Wassertanks in das Dorf fuhren. Das war der Beginn seines Hilfsprojektes, das nach ein paar Jahren noch kräftig Unterstützung durch eine englische Organisation bekam und seit kurzem auch von Österreich teilfinanziert wird.
Appiah ist nicht länger Lehrer, sondern ist nun hauptberuflich für die Projekte tätig. Doch durch seine hohe Ausbildung und die guten Berufe, die er in der Vergangenheit hatte und immer noch ausübt, konnte er sich ein schönes Leben aufbauen. Auch durch seine Familienplanung (eine Frau und nur drei Kinder) ist es ihm möglich, allen seinen Kindern eine gute und solide Ausbildung zu bezahlen.
Während dieses Wochenendes, bekam ich erneut eine total neue Seite von Ghana zu Gesicht. Nämlich die eines wohlhabenden Ghanaen. Wohlhabend klingt jetzt sehr reich, ist es aber nicht. Appiah verdient bei weitem nicht so viel, wie der Durchschnitt in Österreich, jedoch ist das Leben hier um so viel günstiger, dass er sich ein schönes Haus leisten kann und einen großen Pickup. Für Essen und Kleidung schien, dass immer genügend Geld vorhanden war und selbst Dinge wie Laptop und Digitalkamera konnte er sich leisten.
Wenn man einmal zu diesen wenigen Ghanaen gehört, die sich den Luxus leisten können, lässt es sich in Ghana sicherlich toll leben.
Appiah und seine ganze Familie nahmen uns das ganze Wochenende über freundlich auf und sorgten mehr als nur gut für uns. Ich konnte mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal einen so reich gedeckten Frühstückstisch gesehen hatte und auch am Abend bekochte uns seine Frau, die kurz zuvor erst von ihrem Verkaufsstand am Markt zurückkam, mit Fufu und Banku.
Den ganzen Tag über nahm sich Appiah Zeit für uns. So viele tolle Ausflüge wie an diesem Samstag hatten wir schon lange nicht mehr gemacht. Als erstes fuhren wir zum Königspalast, in dem von Zeit zu Zeit der König der Aschanti residiert. Dort machten wir eine Führung mit, bei der wir viele königliche Gegenstände begutachten durften und durch die früheren Gemächer des Königs geführt wurden. Anschließend besuchten wir seine Frau am Zentralmarkt. In Afrika spielt sich das ganze Leben einer Stadt eigentlich immer am Markt ab. Und so auch in Kumasi. Einen so gewaltig großen Markt habe ich noch nie gesehen und der in Kumasi soll auch der zweitgrößte in ganz Westafrika sein. Nachdem wir durch einen kleinen Teil des Marktes durch waren, fuhren wir zum Kulturcenter, in dem wir zu Mittag aßen. Nachdem wir uns den Bauch mit Redred und Banku vollgeschlagen hatten, gingen wir noch zu den Souvenirläden. Wolfgang benötigte noch eine Trommel. Als auch das erledigt war, fuhren wir wieder weiter. Mit dem riesen Pickup machten wir uns auf den Weg zu einem, ein paar Kilometer außerhalb von Kumasi gelegenen, Schmetterlingsort. Leider waren die meisten Schmetterlinge bereits verschwunden, da es begann dunkel zu werden. Doch konnten wir noch ein paar imposante Schönheiten entdecken. Wir waren die letzten Besucher an diesem Tag und machten, da die Zeit schon knapp wurde, nur noch eine kurze Runde durch den Regenwald, bei der wir erklärt bekamen, welche Rinde man von welchen Baum nehmen soll um diese oder jene Krankheiten zu heilen. Es war überaus interessant und der Führer gab uns immer wieder Kostproben von den Bäumen. Das eine Mal schmeckte die Rinde total scharf, das andere Mal, war sie so bitter, dass ich gleich eine Cola benötigte um diesen widerlichen Geschmack aus meinen Mund zu verbannen.
Wieder zurück bei seinem Haus, gab es noch das Abendessen und dann machten wir uns auch schon auf zu unseren Schlafplätzen.
Am Sonntag begleiteten wir Appiah und seine Frau noch zur Kirche. Was wiederum spannend war, da er zu den Presbyterianern gehört und es für uns das erste Mal war, einen solchen Gottesdienst zu besuchen. Aber was man gleich sehen konnte war, dass die Kirche wiederum fast ausschließlich von den reicheren Ghanaen besucht wird. Was teilweise die einzelnen Personen als Spende hergaben, war mehr, als die Salesianer in einer ganzen Absammlung kassieren.
Nach der Messe aßen wir noch köstliches Fufu bei ihm zu Hause und verabschiedeten uns. Danach fuhren wieder nach Sunyani, wo wir erschöpft in unser Stammlokal gingen um mit ein paar Freunden aus Deutschland, Spanien und den Niederlanden das Europameisterschaftsspiel Italien gegen Spanien anzuschauen.
Alles in allem war es ein fantastisches Wochenende, das ich um nichts in der Welt missen möchte.
LG!
Clemens
Sunyani, 17.6.2008
Gefängnis
Heute Sonntag, war ich mit der Missionsgruppe im Gefängnis von Sunyani. Die Missionsgruppe besteht aus Schülern des Don Boscos Vocational Technical Institute. Diese fahren am Sonntag mit den Fathers und Brothers zu den einzelnen Buschdörfern und helfen mit, die Messe zu gestalten, oder organisieren Spiele und Aufführungen in der Pfarre. Eine dieser Gruppen fährt auch jeden Sonntag in das örtliche Gefängnis um dort Seelsorge zu leisten.
Was ich dort heute zu sehen bekam, war für mich einfach nicht zu glauben. Von außen sieht das Gefängnis recht einfach aus. Es gibt zwei Hauptgebäude in denen die Büros und Aufenthaltsräume der Wachleute sind. Eines ist für die weibliche Abteilung und eines für die männliche. Als erstes gingen wir zu den Männern. Vor dem Eingang schiebt ein, mit Maschinengewehr bewaffneter, Aufseher wache. Wenn man in den Gefangenenhof will, muss man erst das Hauptgebäude, wo einem das Handy abgenommen wird, passieren. Von dort geht man dann durch ein zweites Tor in den Gefangenenhof. Das ganze Gefängnis für Männer besteht eigentlich nur aus dem Hauptgebäude und einer zirka acht Meter hohen Mauer, die den betonierten Hof umgibt auf dem noch die Baracken der Gefangenen aufgestellt sind. Der ganze Hof ist etwa nicht ganz so groß wie ein halbes Fußballfeld und auf diesem sind dann noch drei dieser Baracken gebaut. Ich würde sagen, dass das Gefängnis mit 80 bis 100 Gefangenen schon mehr als nur ausgelastet wäre. Deswegen erschrak mich die Gefangenenzahl umso mehr, die ich, bevor wir eintraten, von einem Wachmann erfuhr. 819 Gefangene waren an diesem Sonntag in Haft. Um mehr als 700 zu viel für diese Anstalt würde ich sagen. Und das konnte man auch deutlich sehen, wenn man das Innere sah.
Als ich eintrat musste ich erst einmal schlucken und meinen ganzen Mut zusammennehmen. Mir wurde erst beim betreten des Hofes bewusst, dass ich nun mit 819 Dieben, Räubern, Vergewaltigern und Mördern an ein und demselben Ort gefangen war. Auch starrten mich sofort alle an, da ich der einzige Weiße war, der sich dort befand und ich weiß nicht, wann der letzte Weiße sich dort blicken ließ.
Wir gingen also nun quer über den Platz zu dem Ort an dem immer der Gottesdienst abgehalten wird. Dort warteten schon ein paar Männer auf uns und fingen gleich an zu trommeln und singen. Es dauerte nicht lange und wir waren annähernd 100 Personen unter dem Wellblechdach, das als Schattenspender diente. Rund um uns ging der normale Gefangenenalltag weiter. Die Messe war äußerst kurz gehalten und als wir wieder den Hof überquerten, sah ich in eine der Baracken. Die Männer schlafen in diesem Gefängnis in Räumen, die 20m2 groß sind. Betten gibt es keine und all ihre Habseligkeiten hängen auf Kleiderhaken die auf den Wänden der Räume montiert sind. In jedem Raum war noch eine Toilette, die aber keinerlei Abschirmung hatte, sondern einfach nur frei im Raum stand.
Für mich ein Wahnsinn, wie Gefangenen im einzigen Gefängnis in Brong Ahafo gehalten werden. Mich verwundert auch, dass sich so viele Menschen auf so engen Raum überhaupt zusammensperren lassen und dass auch noch unter diesen Bedingungen, ohne das Aufstände entstehen. Total schockiert war ich auch, dass es in diesem Gefängnis keine Zellen gibt und auch keine Trennung der Gefangenen. Das heißt, dass Diebe, die beispielsweise für ein Jahr verurteilt sind, ihre Strafe zusammen mit Vergewaltigern, Mördern und sonst noch schlimmen Übeltätern absitzen. Ob der Gefangene gebessert wieder den Ort verlassen wird, mag bezweifelt werden.
In Österreich weiß ich auch, dass versucht wird, Verurteilten eine Aufgabe zu geben, um sie zu beschäftigen. Tolle Idee, von der, so denke ich, alle etwas haben. So habe ich zum Beispiel gehört, dass man in Leoben sein Auto, für Bezahlung, von den Gefangenen waschen und Innen reinigen lassen kann. In Sunyani sitzen die Gefangenen nur den ganzen Tag herum, unterhalten sich und außer vielleicht einmal am Tag etwas Fufu zu stampfen, tun sie gar nichts.
Nachdem wir den Männertrakt verlassen hatten und wieder frei waren, gingen wir zu den Frauen. Bei den Frauen gab es ganz dieselbe Prozedur. Anmelden, Handy abgeben und dann erst in den Innenhof gehen. Dort angekommen merkte ich sofort, hier geht es ihnen um vieles besser als den Männern. Die ganze Frauenanstalt ist zwar um vieles kleiner, jedoch büßen nur 18 Frauen dort ihre Freiheitsstrafe ab. Auch hatten diese beispielsweise einen Baum im Hof, gemauerte Bereiche zum Duschen (etwas, was ich bei den Männern nicht gesehen habe) und in der Baracke konnte ich Stockbetten entdecken, die Schaumstoffmatratzen hatten. Auch das Aufseher – Gefangenenverhältnis war um vieles besser. Waren bei den Männern nur die Gefangenen beim Gottesdienst, so kamen bei den Frauen fast alle Wärterinnen. Dort wurde auch ein klein wenig gescherzt. Sowohl unter den Gefangenen, als auch zwischen Aufseherin und Gefangener. Es war kein schöner Anblick, die Frauen dort zu sehen, doch fiel es mir schon um vieles leichter als bei den Männern. Als uns dann auch noch die Hälfte der Gefangenen bis zum Eingangstor brachte und ich den Gemeinschaftsfernseher sah, den die Wärterinnen extra in den Hof gestellt hatten, das die Gefangenen auch schauen können, war ich mir sicher, dass die Frauen hier von den Aufseherinnen ganz gut behandelt werden. Bei den Männern konnte ich dies leider nicht erkennen.
Alles in allem, war es ein Erlebnis, das sich bei mir ganz tief eingebrannt hat und das ich, so denke ich, mein Leben lang nicht vergessen werde.
Leider war es mir nicht gestattet, von dem Gefängnis Fotos zu machen, doch auch wenn, hätte ich vom Inneren keine geschossen, denn dies war absolut kein Platz, an dem man wie ein Tourist umherläuft und Fotos vor den Insassen und den Mauern macht.
L.G. Clemens
Sunyani, 11.6.2008
Leben im Buschdorf
Die letzten Tage meiner Mittermferien verbrachte ich bei einem unserer Schüler. Ich besuchte ihn in seinem Dorf, das etwa 3 Fahrstunden durch den Busch von unserem Haus entfernt liegt. Wie weit dies ist, kann ich nicht sagen, da das Trotro (Sammeltaxi) immer wieder das Tempo änderte. Auf der, natürlich nicht asphaltierten, Straße fuhr es teilweise mit Höchstgeschwindigkeit (80 km/h) über die Staubige Piste, musste allerdings nach nur wenigen gefahrenen hundert Metern immer wieder abbremsen und mit Schrittgeschwindigkeit über Hürden rollen, die durch die starken Regenfälle in den letzten Wochen entstanden sind.
Der Zustand der Straßen hier in Ghana ist sehr stark von der Jahreszeit abhängig. Es macht wenig Sinn, eine Straße noch während der Regenzeit wieder in Ordnung zu bringen, da sie nach wenigen Tagen wieder in demselben schlechten Zustand ist wie zuvor. Die Straßen werden hier zwischen Regen- und Trockenzeit repariert und ausgebessert. Während der Trockenzeit haben die großen Maschinen, die einfach über die Pisten rollen und die Unebenheiten begradigen indem sie wie ein Schneepflug die oberste Schicht der Straße beiseite schieben, keine Chance. Selbst für diese tonnenschweren Ungetüme ist dann die Erde zu hart um noch gut arbeiten zu können.
Als ich dann in Martins Dorf ankam, war ich begeistert. Ich erwartete ein Dorf das aus Lehmhütten ohne Strom und fließendem Wasser bestand, fand allerdings ein Dorf vor, das sehr wohl an das öffentliche Stromnetz angeschlossen ist und auch Häuser hat, die zwar überaus einfach gebaut sind und bei denen man eine wirklich gerade Wand vergeblich suchen kann, aber aus Ziegeln gebaut sind. Martins Haus war ein überaus einfaches Gebäude. Eine typisch ghanaische Bauarchitektur. Das Haus war rund um den Innenhof gebaut. Auf drei Seiten waren Zimmer und auf einer Seite waren die überdachten Kochplätze, vier an der Zahl, und die Dusch- und Urinalplätze. In dem Haus wohnten verschiedene Familienmitglieder.
Bevor ich erkläre wer in diesem Haus alles wohnt, muss ich noch erläutern, wie die Familienmitglieder zu einander stehen. Ein Mann kann mehrere Frauen haben. Dies ist sogar sehr häufig. Vor allem in den Dörfern hat fast ein jeder ältere Mann zwei, drei, vier oder sogar noch mehr Frauen. Wichtig ist, dass er sie versorgen kann. Wobei versorgen heißt, dass sie nicht verhungern. Jede dieser Frauen hat normalerweise Kinder. Diese Kinder sagen nicht er oder sie ist mein oder meine Stiefschwester/Stiefbruder, sondern sie sind alle Schwestern oder Brüder. Nun wird’s allerdings kompliziert! Auch die Cousins und Cousinen werden Bruder und Schwester genannt. Der Onkel wird Vater und die Tante Mutter genannt. Nun kann man sich auch vorstellen, dass ein Ghanae viele Brüder, Schwestern, Mütter und Väter hat, da eine Familie leicht 12 bis 16 Kinder haben kann. Und auch die Eltern, der Onkeln und Tanten werden Opa und Oma genannt.
Ich glaube es hat vor allem einen sehr sozialen Hintergrund. Ein Ghanae der gut verdient, unterstützt immer seine Brüder und Schwestern, Onkeln und Tanten, Väter und Mütter die nicht so viel haben. Klingt gut, ist es aber nicht immer. Es ist toll, wenn einem die Schulausbildung von einem entfernten Cousin bezahlt wird den man Bruder nennt, da man sonst nie diese Ausbildung genießen könnte. Es ist jedoch tragisch, dass sich dieser Cousin, der etwas mehr verdient nichts ersparen kann, um einmal etwas Größeres aufziehen zu können, da er seine ganze Sippe ernähren muss. Natürlich ist es da auch leicht der Fall, dass es Schmarotzer gibt, die dann einfach sagen: „Für was soll ich arbeiten! Ich hab 16 Brüder (Brüder und Cousins) und 20 Schwestern (Schwestern und Cousinen). Die werden schon für mich sorgen.“ Wenn es dann mehrere dieser Leute in einer Familie gibt, wird die ganze Familie nur schwer vorankommen.
In Martins Haus leben also viele Personen. Seine Brüder, Schwestern, Mütter und Väter. Ich hab aber keine Ahnung, ob die Mütter jetzt einfach nur die Zweit- oder Drittfrauen seines Vaters oder des Bruders seines Vaters sind, oder welche jetzt seine echte Mutter ist. Das ist auch nicht so wichtig im ghanaischen Sozialleben.
Ich kam im Dorf an und tat die zwei Tage nichts anderes, außer zum Frühstück Fufu, zu Mittag Fufu und am Abend Fufu zu essen und den ganzen Tag von einem Vater zum anderen, von einer Mutter zu nächsten, von einer Schwester zur anderen weitergereicht zu werden und viele Töchter von Martin zu besuchen. Martin ist nicht wirklich Vater, jedoch seine vielen Schwestern und Brüder (auch Cousins und Cousinen) haben schon Kinder, welche dann automatisch seine Töchter und Söhne sind.
Ich war jedes Mal total erledigt, wenn wir von solch einer Tour zurückkamen.
Der Ritus ist auch ein ganz spezieller wenn man bei jemanden zu Besuch kommt.
1. Als erstes Müssen einem alle begrüßen.
2. Man bekommt einen Platz angeboten. (Für mich wurde immer der beste Stuhl herausgeholt. Auch weil ich weiß bin)
3. Dann redet man kurz über dies und das!
4. Es wird nach der Mission gefragt (warum man da ist)
5. Man wird willkommen geheißen (also noch einmal begrüßt)
6. Es wird einem Wasser angeboten (wenn man es annimmt, immer den ersten Schluck verschütten. Für die Ahnen)
7. Man kann dann endlich offen reden
8. Bevor man geht noch einmal allen die Hand schütteln und sich ganz höflich bedanken. Die Ghanaer haben sich auch immer dreimal bei mir bedankt, dass ich zu ihnen gekommen bin und sie besucht habe.
9. Und dann kann man endlich zum nächsten Besuch aufbrechen.
Gelebt habe ich in dem Dorf total einfach. Ich habe mit Martin in seinem Bett geschlafen das in seinem Zimmer stand und als Einrichtungsgegenstände noch zwei Sessel und ein Nachtkästchen hatte. Am Abend wurde es von einer nackten Glühbirne beleuchtet. Geduscht wurde in derselben Nische, wo auch uriniert wird. Duschen tut man sich ganz einfach, indem man Wasser aus einer Tonne schöpft und mit einem Kübel zur Duschecke trägt. Dann muss man sich das Wasser irgendwie auf den Körper spritzen sodass man einigermaßen sauber wird. Das Klo befindet sich außerhalb des Hauses. Gut 300 Meter muss man laufen, bis man es erreicht hat. Es ist ein einfaches Plumpsklo, jedoch nicht wie in Österreich, wo man diese Art von Klo noch auf den Almen vereinzelt vorfindet, sondern einfach ein Häuschen, bei dem ein Loch mit einem Durchmesser von 20cm im Boden ist. Wenn man muss, ist dass gar nicht so einfach, dass man da auch trifft. Aber der Ghanae hat Übung darin. Ich sah auch oft nackte kleine Kinder, die den halben Tag so durchs Dorf liefen und kein Klo besuchten, sondern einfach, wo es ihnen passte sich hinhockten und ihr Geschäft verrichteten. Das war ganz normal. Und danach kam eine der unzähligen Mütter des Kleinen und hat einfach mit einem Besen und einer Schaufel alles weggemacht.
Ich kam an einem Donnerstagnachmittag an. Da kamen gerade alle Farmer von den Feldern. 95% würde ich sagen, der ganzen Dorfbewohner sind Bauern. Das Dorf ist fast wie ausgestorben, wenn alle auf den Feldern sind. Am Freitag wird allerdings nicht auf die Felder gegangen, sondern der ganze Tag im Dorf verbracht oder man fährt zu Begräbnissen oder Hochzeiten.
Ich hab nachdem ich wieder nach Hause kam mit Patrick und Wolfgang darüber gesprochen, die ähnliche Erfahrungen bei einem anderen Schüler machten, den sie zur selben Zeit besuchten. Es schaut ganz paradiesisch aus, wenn wir Europäer aus der hektischen Arbeitswelt, die uns Tag für Tag zu Hause begegnet in solch ein Land kommen in dem die Sonne fast immer schein, in dem fantastische Früchte wachsen und die Menschen ein ganz angenehmes ruhiges Leben führen, in dem es scheint, als ob sie sich keine großen Sorgen machen um die Zukunft.
Ja es ist toll solch ein Leben zu führen! Für ein oder zwei Tage. Aber dann wird es zum Albtraum. Wenn man keiner geregelten Arbeit nachgeht, von Tag zu Tag lebt und auch keine Aussicht hat einmal mehr zu erreichen, als das was man jetzt schon ist. Es war für mich nach einem Tag, bei dem wir ständig Leute besuchten die jeden Tag zusammensitzen und Tag für Tag über dasselbe reden und für die es das Highlight des Monats ist, wenn man einmal in die nächstgrößere Stadt fährt um etwas einzukaufen, faszinierend. Was allerdings nicht heißt, dass ich viel länger diese Art von Leben leben möchte.
Einfach dieses Nichtstun. Ich hatte immer das Gefühl alle warten auf etwas. Aber es kam nichts. Und am nächsten Tag war’s genauso. Und am nächsten Tag, an dem ich nicht mehr im Dorf war, vermute ich auch, dass sich nicht viel daran geändert hat. Und so weiter, die ganze Woche lang, ein Leben lang. (Dies gilt vor allem für die jungen Leute und Alten. Die, welche können, schuften nämlich hart auf den Feldern) Nach zwei Tagen, machte ich mich mit Martin wieder auf den Heimweg und war froh, als ich wieder in unserer Schule war.
LG!
Clemens Sunyani, 4.6.2008Solarlampen
Die ganze letzte Woche hatte ich keine Schule. Mittermferien des dritten und letzten Terms des Schuljahres. Diese Möglichkeit nutzten wir Volontäre gleich einmal aus, um ein wenig wieder im Land herumzukommen. Diesmal ging’s aber nicht wieder in die Savanne oder ans Meer, sondern gleich am Anfang, wie schon im letzten Bericht geschildert, von mir und Wolfgang nach Accra, wo dieses Jahr der internationale afrikanische ICDL Kongress stattfand. Dort verbrachten wir zwei Tage, bevor es wieder nach Sunyani zurückging. Am Mittwoch waren wir dann wieder zu Hause und besuchten gleich einen Freund von uns, der die letzten drei Wochen aus Deutschland gekommen war und mit ein paar Leuten aus Sunyani und Umgebung in einer Berufsschule Lampen zusammenbaute.
Dies war ein Entwicklungsprojekt des deutschen SES (Senioren-Entwicklungs-Service). Bei diesem Verein sind einige tausend „Senioren“ gemeldet, die von Zeit zu Zeit mit den unterschiedlichsten Projektarbeiten Entwicklungshilfe leisten. Alle sind Experten auf ihrem Gebiet und arbeiteten, beziehungsweise arbeiten in Deutschland in Sparten, in denen man eine effektive Hilfe für benachteiligte Länder leisten kann.
Unser Freund Alfred ist Berufsschullehrer in Deutschland und entwickelt in Zusammenarbeit mit anderen Lehrern immer wieder Lampen. Aber nicht irgendwelche Lampen, sondern Solarlampen. Diese Lampen sind äußerst robust und haben eine sehr hohe Lebensdauer von bis zu 25 Jahren. Diese Lampen sind so konstruiert, dass sie perfekt in Buschdörfern zum Einsatz kommen können. Von diesen Dörfern gibt es hier in Ghana jede Menge. Dörfer die nicht an ein Stromnetz angeschlossen sind und keine Chance haben, irgendwie an elektrisches Licht zu kommen ohne einen Generator laufen zu haben oder ihre kleinen Taschenlampen ständig mit Strom aus Batterien zu speisen.
Das Entwicklungsprojekt von Alfred ist es jetzt aber nicht diese Lampen fix fertig aus Deutschland zu liefern und sie hier zu verkaufen, sondern Leute in die Zusammenbauarbeit einzuweisen. Denn Entwicklungshilfe ist nur dann wirklich sinnvoll, wenn es hier vor Ort Leute gibt, die die Lampen auch bei einem Schadensfall wieder reparieren können und wenn alles gut läuft, vielleicht mit ihrem Wissen sogar ein kleines Einkommen schaffen können, in dem sie beispielsweise die Komponenten, die bei weitem nicht das kosten, was die fertig zusammengebaute Lampe kostet kaufen, und diese dann selbst zusammenbauen und verkaufen.
Das Problem bei der ganzen Geschichte ist allerdings der hohe Preis. Rund 80GHC (50 Euro) müssen für so eine Lampe ausgegeben werden und wenn man dann bedenkt, dass beispielsweise das Einkommen mancher Lehrer hier unter 100GHC im Monat liegt, kann man sich vorstellen, dass es hier zwar ein super Anwendungsgebiet für diese Lampen gibt, jedoch der potentielle Markt nicht das nötige Geld hat um sich solch eine Solarlampe zu leisten. Klar gibt es in Ghana Leute, die das nötige Kleingeld besitzen, jedoch sind diese auch immer an das Stromnetz angeschlossen und benötigen dann auch nicht solch eine Lampe.
Vor allem geht es hier um eine Auffassungsfrage. Der Europäer sieht in der Lampe für 50 Euro eine Investition, die er auf die 20 bis 25 Jahre Laufzeit rechnet. Wenn man bedenkt, wie viel Geld man sich mit der Anschaffung einer solchen Lampe an Stromkosten spart, ist es schon eine Überlegung wert.
Der Ghanae denkt meist nicht 10, 15 oder 20 Jahre voraus. Er denkt an Morgen, Übermorgen, an die nächste Woche, nächsten Monat und höchstens 2 bis 3 Jahre voraus. Aber 20 Jahre sind viel zu weit entfernt.
Der SES leistet mit diesen Entwicklungsprojekten eine großartige Arbeit. Dieser Verein sendet im Jahr 6000 Personen zu den verschiedensten Einsätzen aus. Ein Einsatz dauert normalerweise 3 Wochen und sollte so weit gehen, dass das angefangene Projekt von alleine weiterläuft. Meist funktioniert es nach einem Einsatz (3 Wochen) noch nicht und die Person kommt noch zu einem Zweiteinsatz (ebenfalls 3 Wochen). Danach sollte das Projekt allerdings von selbst laufen.
Alfred war mit dem SES und auch privat, auf eigene Faust, schon in vielen Ländern dieser Welt, sodass er viele interessante und aufregende Geschichten zu erzählen hatte, die wir uns bei einem gemütlichen Abendessen am Mittwoch Abend gerne anhörten und noch über vieles diskutierten.
LG!
Clemens
Sunyani, 29.5.2008
ICDL Kongress
Am Freitag dem 23. durfte ich zum letzten Mal die dritte Klasse unseres Departments für Sekretäre und Innen unterrichten. Diese Klasse wuchs mir in den letzten Wochen sehr ans Herz, hatte ich sie doch 8 Stunden in der Woche. Große Fortschritte konnte ich mit ihnen erzielen, wie beispielsweise der Umgang mit den Softwareprogrammen Microsoft Excel und Power Point wurde erlernt und auch das Versenden und öffnen von erhaltenen Mails stellt keine Probleme mehr da. Die Klasse erwies sich als sehr wissbegierig und ich kam gut mit allen aus.
Einige meiner Schüler dieser Klasse erwiesen sich als sehr talentiert, und werden auch in Zukunft ihren Weg meistern. Mit oder ohne PC. Für ein paar andere wird es wohl keine Zukunft mit Computer werden. In den drei Jahren Computerunterricht, den sie mit den verschiedensten Volontären hatten konnten viele der Schüler eine Menge an Wissen für sich selbst mitnehmen. Andere schafften es leider nicht, genügend Wissen sich anzueignen um als Computerfachkräfte bezeichnet zu werden.
Auf jeden Fall war’s nicht so einfach am Freitag die letzte Stunde zu halten. Der Grund für das frühe Ende des Schuljahres, sind die externen Prüfungen, die in den kommenden Tagen abgelegt werden.
Durch die Stundenreduktion hoffe ich, mehr Zeit für meine anderen Klassen zu haben und mich auch mehr dem ICDL Training zu widmen. Ich weiß nicht, wie gut meine Tätigkeiten in Österreich bekannt sind, aber neben dem normalen Schulstunden die ich zu halten habe, unterrichte ich auch noch verschiedene Module des ICDL (International Computer Driving Lizence), am Nachmittag. Ziel ist es mit unseren Schülern aus der ersten Klasse Sekretär- und Sekretärinnenausbildung den ganzen ICDL mit allen 7 Modulen, in den vier Jahren zu machen und mit den talentierteren Schülern der zweiten und dritten Jahrgänge den ICDL Start mit seinen 4 Modulen oder sogar den normalen ICDL mit seinen sieben Modulen zu schreiben.
Aus diesem Grund packten Wolfgang und ich am späten Sonntagabend unsere Taschen und fuhren nach Accra zu einem internationalen ICDL Congress. Es kam mir ein wenig wie im Fasching vor, als wir uns für die Veranstaltung vorbereiteten. Als Volontär läuft man eigentlich ständig in kurzen Hosen und irgendwelchen bunten T-Shirts herum. Am Sonntag zog ich meine Jean an, die ich noch aus Österreich mitgenommen habe und das letzte Mal am 24. Dezember getragen habe und nahm ein Hemd, das ich ebenfalls aus Österreich mitgenommen habe zum ersten Mal in diesem Jahr aus dem Schrank. So wie ich es am 6. August 2007 in den Schrank gelegt hatte, lag es dort für nun schon fast zehn Monate. So herausgeputzt kam ich mir ein ganzes Stück mehr Obruni (weißer Mann) vor.
Spät am Abend ging unser Bus und fuhr die ganze Nacht durch, bis wir um 5 Uhr in der Früh am Hauptverkehrsknotenpunkt in Accra ankamen. Von dort machten wir uns auf den Weg zum ICDL Congress, der in einem neugebauten College mitten im Nobelviertel von Accra abgehalten wurde. Die Gegend dort passte so ganz und gar nicht zu dem Afrika, das wir in den letzten Monaten kennen lernen durften. Es gab breit gebaute Straßen, keine kleinen Shops dafür Gehwege, schön bepflanzte Kreisverkehre und hohe neu gebaute Gebäude, die nach der Architektur auch in Wien oder jeder anderen europäischen Hauptstadt hätten stehen können.
Der Kongress war sehr informativ für uns und eine tolle Gelegenheit sich mit anderen ICDL Lehrern über die diversen Probleme zu unterhalten und um vor allem Neuigkeiten auszutauschen und Informationen einzuholen. Am Ende der Vorträge gab es dann noch ein Essen für alle, die sehr stark in dem ICDL involviert sind. Zu unserer Überraschung wurden auch wir zu diesem Essen eingeladen. Es war für uns eine einmalige Gelegenheit, sich einen Tisch mit den ICDL Chefs aus Südafrika zu teilen. Beide waren sehr lockere Typen und von unserer Arbeit beeindruckt, sodass sie uns baten, ihnen einen Bericht zu schicken in dem wir unsere Arbeit und unser Projekt näher beschreiben. Auch die anderen ICDL Koordinatoren aus Ruanda, Kenia, Elfenbeinküste, Mali, Kongo usw. waren ganz und gar nicht steif und immer zu einem Schwätzchen aufgelegt.
Nachdem wir ein fantastisches Essen in einem seit Monaten nicht mehr gehabten Ambiente (Buffet mit verschiedensten Speisen und Salaten die fast ausschließlich europäisch waren und ganz und gar nicht afrikanisch, mit Kellnern die uns mit allen Getränken versorgten die wir uns wünschten und einer Nachspeise ganz nach meinem Geschmack (Schwarzwälder Kirsch Kuchen)), machten wir uns auf den Weg zu unserem zweiten Salesianerprojekt, das nahe der Hauptstadt liegt.
Am Dienstag besuchten wir dann noch das Kofi Annan Center für Information und Technologie in Accra, das ebenfalls den ICDL anbietet und auf einer sehr professionellen Ebene arbeitet. Nach diesem wiederum sehr informativen Besuch, machten wir uns auf den Heimweg in die Brong Ahafo Region, in der wir unsere restlichen Urlaubstage verbringen werden.
LG!
Clemens

Sunyani, 24.5.2008
Kakaofarm
Letztes Wochenende bekamen wir wieder einmal Besuch. Georg Gaudernak, Stefan Gaudernak und Hannes Velik, der bei JudendEineWelt tätig ist. Für Georg war es das erste Mal, dass er in Ghana war, hingegen war sein Vater Stefan schon im November mit einem Freund hier und Hannes Velik besuchte uns erst wenige Wochen zuvor.
Der Grund für den Besuch ist das Interesse von Herrn Gaudernak an Kakao. Dieser hatte sein ganzes Leben lang mit Schokolade zu tun und möchte vielleicht - wenn alles passt - ein paar Kakaobauern unterstützten.
Aus diesem Grund fuhren sie letztes Wochenende mit unserem Vizedirektor und uns in den Busch zu einer Kakaofarm. Diese gehört dem Stiefvater von Mr. Yeboah (der Name des Vizedirektors).
Zwei Stunden lang ging es auf Schotterstraßen durch den Busch. Auf diesem Weg passierten wir eine staatliche Kakaoplantage, die sehr viel mit neuen Pflanzen experimentiert um widerstandsfähigere Kakaobäume zu züchten, die mehr Ertrag bringen. Bei diesen Farmen lernten wir sehr viel über den Anbau und die Ernte der Kakaobohnen.
Es ist nicht so einfach die richtigen Bedingungen für die Pflanzen zu schaffen. Diese brauchen ein wenig Schatten, welchen große Bäume spenden, die immer wieder zwischen den Kakaopflanzen stehen. Die Kakaofrüchte, die die wertvollen Bohnen enthalten, wachsen auf dem Stamm des Baumes. Diese werden, wenn sie die richtige gelb-rote Färbung haben geerntet und die Bohnen herausgeholt. Eine Frucht enthält etwa 30 bis 50 Bohnen, die ganz und gar nicht nach Kakao aussehen. Sie sind in einer weißen schleimigen Soße, die man wunderbar verwenden kann um ein alkoholisches Getränk herzustellen. Die Bohnen müssen, nachdem man sie aus der Frucht gelöst hat, fermentieren. Dies geschieht auf großen Haufen, die mit Bananenblättern bedeckt werden. Nachdem die Bohnen dort für einige Tage gelegen sind, breitet man sie auf großen Tischen auf, um sie unter der Sonne zu trocknen. Dabei müssen diese immer wieder gewendet werden, um eine gute Qualität zu erzielen. Anschließend werden die Kakaobohnen in große Säcke gefüllt und zu der nächsten Sammelstelle gebracht, die sie den Bauern für 75 GHC (48 €) den Sack (65kg) abkauft. Dort wird noch einmal gewogen und umgefüllt. Die Sammelstelle füllt die Bohnen in 62kg Säcke und behält sich 3kg als Profit.
Auf dem Weg zu der Farm passierten wir Abzweigungen, bei denen jeweils die Straße sich verschmälerte und noch ein klein wenig schlechter wurde, bis wir endlich bei einer Kakaofarm ankamen. Diese war allerdings nicht die, welche dem Stiefvater gehörte, sonder eine andere. Somit mussten wir noch einen 10 Minuten langen Marsch durch den Busch machen, bis wir endlich die Farm erreichten.
Die Farm liegt mitten im Anbaugebiet. Rund um den Hof stehen Kakaobäume, die die Früchte tragen, aus denen die Kakaobohnen geholt werden können.
Und dort begann für mich der richtig interessante Teil unserer Reise. Stefan Gaudernack, ein europäischer Geschäftsmann durch und durch, führte ein geschäftliches Gespräch mit Mr. Yeboah. Für den Europäer sind immer Zahlen von größter Bedeutung, wenn er sich überlegt, ob er dieses oder jenes Geschäft machen soll. Der Ghanaer rechnet nicht viel, er handelt viel stärker nach seinem Gefühl.
Ein gutes Beispiel dafür war, als Mr. Yeboah sagte, dass die Anschaffung eines Autos praktisch wäre, denn dann könnte man die vielen Kakaosäcke, die man normalerweise in kleineren 30kg Säcke umfüllt und 5km zur nächsten Sammelstelle auf dem Kopf trägt, gleich direkt in die Stadt gefahren werden und man bräuchte nicht die 3kg Kakaobohnen den Sammelstellen geben. Außerdem gäbe es in der Umgebung viele Bauern und man könnte auch von diesen die Säcke in die Stadt fahren und dafür, wie die Sammelstelle, 3kg Bohnen verlangen.
Und da hab ich schon gesehen, wie Herrn Gaudernak zu rechnen begann.
Eine typische Frage in diesem Gespräch war: Wie viele Bauern gibt es hier in der Gegend?
Antwort: Many!
Und solche Antworten kamen häufig auf gestellte Fragen. Fast eine jede Rechnung die angestellt wurde, musste noch einmal oder gar zweimal gerechnet werden, da jedes Mal sich die Ausgangswerte änderten.
Nach einer längeren Diskussion bei der ich viel über die Schokoladenherstellung erfuhr, und mitbekam, was sich Herr Gaudernak und Mr. Yeboah so vorstellten, gingen wir los um die Highlights der Farm zu begutachten.
Als erstes gingen wir zur angefangenen Straße. Danach ging es quer durch die Farm zu einer noch nicht bebauten Fläche, die möglichst bald auch zur Kakaofarm ausgebaut werden soll. Als letztes, bevor wir uns wieder Richtung Farmhaus aufmachten, gingen wir noch zum Fluss, aus dem die Arbeiter ihr Wasser schöpfen. Auf dem Weg vom Fluss, zurück zu unserem Ausgangspunkt stieg Wolfgang dann fast noch auf eine braune Schlange, die sich zwischen den braunen herabgefallenen Blättern versteckte. Nur fünf Zentimeter fehlten und er wäre auf sie getreten. Mit einem lauten „Snake, Snake!“ machte er uns auf das Tier aufmerksam, das sich in diesem Moment gerade davon schlängeln wollte. Die Ghanaer, die bei uns waren, kamen sofort mit ihren Buschmessern herbeigelaufen und brachten die Schlange um. Genau so wie einer der Farmer nur wenige Minuten zuvor eine zirka 40 bis 45 Zentimeter lange grüne Mamba umbrachte, die sich nur zwei Meter neben unserer Gruppe aufhielt. Diese war Gott sei Dank noch früh genug entdeckt worden, bevor etwas Schlimmeres geschehen war.
Wieder zurück auf der Farm, gab es für uns mutige Volontäre ein gutes Fufu mit Hühnersuppe, das ich gerne nach diesem doch anstrengenden Marsch durch die Farm und den Urwald zu mir nahm.
Eines ist aber jetzt ganz sicher. Jedes Mal, wenn ich mir in Österreich wieder eine Tafel Schokolade kaufen werde, werde ich an diesen einen speziellen Tag denken und an das, was wir dort im Dschungel erlebt haben.
LG!
Clemens

Sunyani, 20.5.2008
Brunnenspenden
Die Salesianer Don Boscos in Sunyani, Ghana, betreuen neun Buschdörfer nahe Odumase. Diese Dörfer werden insofern unterstützt, dass Brunnen, Schulen und kleine Kirchen gebaut werden. Immer in dieser Reihenfolge. Wenn ein Brunnen gebaut ist und die Dorfbewohner gut darauf achten, wird nach einiger Zeit eine Schule gebaut. Schwierig ist es allerdings gut ausgebildetes Personal in den Busch für den Unterricht zu bekommen. Wenn auch dies gut funktioniert und die Leute darauf achten, dass Schulgebäude und Einrichtung in einem guten Zustand erhalten bleiben und auch der Unterricht funktioniert, wird eine kleine Kirche oder Kapelle gebaut, in der jeden Sonntag eine Messe abgehalten wird. Wenn keine Kirche oder Kapelle vorhanden ist, wird der Gottesdienst in einem Klassenraum der Schule gefeiert.
Nun sind die Salesianer schon seit 1998 in Ghana und unterstützen die einzelnen Dörfer schon seit beträchtlicher Zeit. So kam es, dass durch die langjährige tägliche Benützung der Brunnen, diese teilweise kaputt wurden oder nur noch schlecht funktionierten.
Deswegen müssen viele Leute wieder weite Strecken zurücklegen um an Wasserstellen zu kommen und oft ist das Wasser, das sie daraus schöpfen auch nicht sauber. In 25 Literkanistern wird das Wasser meist von den Frauen und älteren Kindern in das Dorf gebracht. Meist auf dem Kopf einige Kilometer weit getragen.
Ein Brunnen hat eine Tiefe von 48 bis 50 Meter. In dieser Tiefe gibt es ganzjährig sauberes Trinkwasser, das die Lebensqualität und nicht zuletzt den Gesundheitszustand eines ganzen Dorfes stark verbessert.
Es müssen keine neuen Brunnen gebohrt, nur lediglich ein paar Reparaturen daran vorgenommen werden, die von Experten erledigt werden müssen.
In vier verschiedenen Dörfern muss so eine Reparatur am Brunnen vorgenommen werden. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten und ab und zu muss die ganze Leitung gewechselt werden.
Vor ein paar Wochen wurde bereits in anderen Dörfern solch eine Reparatur vorgenommen, konnte allerdings wegen Geldmangels nicht in allen Dörfern, in denen es nötig wäre, erledigt werden.
Die Reparaturen der Brunnenanlagen in Abronye, Abisu Nsesereso, Abisu n.2 und Adoe belaufen sich alles in allem auf 2025GHC. Dies sind 1350 Euro, mit denen den Bewohnern der Dörfer sehr geholfen werden kann.
Ein jeder kleiner Beitrag, den sie spenden können, kommt zu 100% dem Brunnenprojekt zu und hilft ganz bestimmt, die Situation der Dorfbewohner zu verbessern.
Sollten sie sich entscheiden etwas zu spenden, so können sie dies auf das JugendEineWelt Konto: BLZ: 60000
Konto: 92083767
!!! Bitte unbedingt Verwendungszweck „Ghana Brunnenprojekt Krapscha“ angeben!!!
LG!
Clemens
WEITERE INFOS Projektbeschreibung DIASHOW Fotos 
Sunyani, 14.5.2008
Heute bekam ich einen Brief in die Hand, der an die Schwester eines Schülers geschrieben war. Diese hatte über das Internet einen deutschen Mann „kennengelernt“ der ihr einen Brief schrieb, den sie nicht lesen konnte, da er in Deutsch verfasst war. Der Bruder dieses Mädchens, ein Schüler der Hard- und Softwareabteilung unserer Schule, gab diesen Brief Patrick um ihn zu übersetzten.Dieser wusste nicht so ganz, was er nun sagen sollte, denn der Brief war voll mit perversen Ausdrücken, und Phantasien des Mannes. Dieser wollte ganz offensichtlich die Schwester unseres Schülers nach Deutschland holen, um sie dort, mehr oder weniger als seine Frau „zu halten“.
Auf den Inhalt dieses Briefes möchte ich jetzt gar nicht näher eingehen, da es keinen Absatz darin gab, der nicht abstoßend und pervers war. Aber ich habe daran wieder einmal gesehen, wie die Träume junger Mädchen von westlichen Männern oft ausgenutzt werden um diese zu ihrem eigenen Vergnügen bei sich zu halten oder, noch schlimmer als Prostituierte in Europa arbeiten lassen.
Ich kenne da einen ganz konkreten Fall, der eine ehemalige Schülerin von mir betraf. Diese kam, auch über das Internet, in Kontakt mit einem Mann aus Holland, der sie dann zu sich holte. Der Traum von Europa wurde für sie Wirklichkeit. Doch wurde dieser bald zum Albtraum, da der Mann nur ihre Notlage ausnutzte. Nach ihrer Ankunft war das Visum abgelaufen und sie hatte auch kein Geld mehr um irgendwie nach Hause zu kommen. Der Holländer nutzte sie vor allem sexuell aus, und als sie schwanger wurde, setzte er sie vor die Tür. Einige Zeit lang streifte meine Schülerin durch die Stadt, bis sie nach einigen Wochen zu Ordensschwestern kam, die sie bei sich aufnahmen. Dort brachte sie auch ihr Kind zur Welt und nach einiger Zeit organisierten die Schwestern einen Heimflug für sie.
Auch die Schwester eines weiteren Schülers von uns ist in Europa. Besser gesagt in Finnland. Auch sie stellte den ersten Kontakt nach Skandinavien über Internet her. Ich weiß nicht genau, wie es ihr dort geht. Vielleicht hat sie ja wirklich ihr Glück dort gefunden. Zu wünsche ist es ihr, wenn man bedenkt, was die Menschen aus Afrika oft durchmachen, damit sie nach Europa kommen können.
Ihr Bruder beispielsweise, arbeitete bereits drei Jahre in Libyen. Dort verdiente er sich hart 2500 Dollar, die er danach einem „Kontaktor“ gab, der ihm um das Geld einen Transport (Platz im kleinen Fischerboot übers Mittelmehr) nach Europa organisieren sollte. Dieser „Kontaktor“ nahm das Geld, und war danach nie wieder gesehen worden.
Die ganze Arbeit von drei Jahren in Libyen war um sonst gewesen.
Ein weiterer Schüler, war bereits auf dem Weg nach Europa, als man ihn mit vielen anderen Flüchtlingen, vor Malta in einem kleinen Fischerboot schnappte und in eines der vielen maltesischen Gefängnisse warf, die extra für Flüchtlinge aus Afrika gebaut wurden. Nach einiger Zeit, sandte man auch ihn nach Hause. Diesmal allerdings mit dem Flugzeug.
All diese Geschichten erfährt man erst nach und nach und dies sind auch nur ein paar der Geschichten, die ich hier schon gehört habe, von Versuchen nach Europa zu kommen. Oft stellen sich die Menschen hier Europa ganz anders vor, als es in Wirklichkeit ist. Oft hab ich das Gefühl, dass die Menschen hier denken, Europa ist das Land in dem Milch und Honig fließen. Bei all dem, muss man aber auch sagen, dass es dem Durchschnitt in Europa weit besser geht, als dem Durchschnitt in Afrika, und dass es für mich ganz verständlich ist, dass es Menschen immer dort hin zieht, wo sie sich mehr Chancen auf ein besseres Leben erwarten.
LG!
Clemens
Sunyani, 3.5.2008
Inflation in Ghana
Grundsätzlich bekommen wir Volontäre kein Geld für unsere Arbeit. Allerdings ist es hier in Ghana so, dass die Salesianer uns ein ’’Taschengeld“ geben, mit dem wir Gas, Essen, Strom, Taxifahrten usw. bezahlen können. Die Unterkunft, also unser Bungalow, wird von der Ordensgemeinschaft zur Verfügung gestellt. Unser Taschengeld belief sich bis zum vorigen Monat auf 150 GHC im Monat. Das Taschengeld für den Monat Mai wurde um 20 GHC erhöht. 150 GHC waren, als ich ankam, noch 125 Euro. Mit 125 Euro im Monat kann man in Ghana schon ganz gut leben. 150 GHC sind, wenn man es mit anderen Lehrerdurchschnittsgehältern hier vergleicht, keine schlechte Bezahlung. Es gibt viele, die ähnlich verdienen wie wir und auch einige Lehrerkollegen, die mit weit aus weniger auskommen müssen. Und diese haben meist Familie die sie versorgen müssen. Die Topverdiener an unserer Schule bekommen so um die 200 bis 210 GHC. Das waren am Anfang noch 165, mittlerweile aber auch nur noch 127 Euro.
Jedes Jahr werden die Löhne erhöht. Ähnlich wie in Österreich, abhängig von der Inflation. Die Lohnerhöhung ist aber nicht für alle gleich hoch. So kann es vorkommen, dass die Metaller um 5% mehr Lohnerhöhung haben als die Lehrer. Heuer war die Gehaltserhöhung für alle Lehrer um die 10%. Das klingt viel, jedoch sind die Preise auch gewaltig gestiegen. Gleich in den ersten Wochen, als ich hier ankam, wurden die Preise für Lebensmittel und Taxifahrten erhöht. Wenn es in Österreich eine Preissteigerung im Lebensmittelbereich gibt, so steigen die Preise beispielsweise in einem Quartal für alle Milchprodukte stark an. Wobei ein starker Anstieg meist heißt, dass Milch beispielsweise um 10 Cent teurer wird. Wenn man nun alle Milchprodukte zusammennimmt, ist die Erhöhung beträchtlich. Doch kauft man normalerweise nicht nur Milchprodukte sondern noch viele andere Sachen, deren Preise gar nicht - oder nur kaum - gestiegen sind. Und somit zahlt man dann an der Supermarktkasse um vielleicht 2 bis 5 Euro mehr, beim wöchentlichen Einkauf. Dies fällt aber nicht so stark auf, da die Gesamtsumme so hoch ist, dass man nicht sagen kann, ob die 3 Euro die man diese Woche mehr bezahlt als in der letzten an einer Preiserhöhung liegen oder, weil man diesmal einfach nur mehr eingekauft hat.
Wenn in Ghana die Preise steigen merkt man es gewaltig. Dann geht’s ein bis drei Monate mit allen Produkten steil bergauf. Meist fängt es damit an, dass das Essen teurer wird. Plötzlich zahlt man für ein Banku nicht mehr 2 GHC, sondern 3 GHC. Diese Preiserhöhung kommt von einen Tag auf den anderen und war im September wirklich Realität, dass Bier, Essen, Taxifahrten, Lebensmittel, usw. um ein Drittel teurer wurden. So zahlte ich im September noch für einen Wecken Brot 50 Pessoas. Heute muss ich nach langem Verhandeln 1 GHC herausrücken, um einen Wecken in derselben Größe zu kaufen. Im Jänner stiegen dann die Strompreise um stattliche 65% bis 75% und Gas wurde auch um 25% teurer.
Da der Ghana Cedi an den Dollar gebunden ist und dieser zurzeit äußerst schwach ist, sind auch die Preise für Importware aus Europa gestiegen. Und von dieser gibt es hier nicht wenig. Alle Produkte, die wirkliche Qualität haben sollen, kommen zum größten Teil aus Europa. Durch den hohen Preis, werden aber viel mehr chinesische Produkte verkauft.
Diese sehen toll aus, kosten im Vergleich zu europäischer Ware fast gar nichts, werden aber auch schnell einmal kaputt. Die schlechte Qualität ist ein Problem, speziell für unser Hardwarelabor. Patrick und David suchen schon einige Zeit lang, gute Schraubendreher, Lötkolben und anderes Werkzeug, das man zum Reparieren eines Computers benötigt. Patrick kaufte vor einiger Zeit einmal einen Lötkolben, dessen Preis 1 GHC war. Also um 65 Cent, einen ganzen Lötkolben! Dieser hielt allerdings auch nur zwei Wochen. Um 3 GHC wurde ein ganzes Schraubendreherset erstanden. Als einer unserer Schüler allerdings den ersten der Dreher ausprobierte und eine Schraube am Computergehäuse etwas fester anzog, brach der metallene Schaft des Werkzeuges einfach in der Mitte ab.
Diesen enormen Qualitätsunterschied merken auch die Afrikaner. Deswegen kaufen sie auch viel lieber beispielsweise eine gebrauchte europäische Waschmaschine um den dreifachen Preis, als eine neue chinesische. Aber diese europäischen Waren sind schwer zu kriegen und oft reicht dann auch das Geld nicht und es wird das chinesische Produkt gekauft.
Aber wieder zurück zum eigentlichen Thema, der Inflation. In den acht Monaten, in denen ich nun schon hier bin, hatten wir zwei Mal eine solch starke Inflation, dass man täglich feststellen konnte, wie ein Produkt nach dem anderen im Preis stark anstieg. Für meine 170 GHC die ich jetzt monatlich bekomme, kann ich mir nicht mehr so viel kaufen, wie für die 150 GHC im August.
Mich trifft dies kaum, denn ich komme eigentlich mit dem Geld aus, das die Salesianer uns zur Verfügung stellen. Urlaub oder Souvenirs können allerdings nicht damit bezahlt werden. Ist auch nicht Sinn und Zweck des Taschengeldes! Für diese Dinge habe ich Reserven aus Europa mit, die einem ein sicheres Gefühl geben. Sollte das Geld einmal knapp werden, kann ich immer noch auf die mitgebrachten Euros zurückgreifen. Diesen Luxus haben die Afrikaner nicht, und oft verstehe ich nicht, wie sie es schaffen mit dem wenigen Geld auszukommen. Da trifft es sie sehr hart, wenn die Preise immer wieder stark steigen und sie dadurch ihren Lebensstandart oft heruntersetzten müssen.
LG!
Clemens

Sunyani, 26.4.2008
Mein Freund Solo!
Mein Freund Solomon ist Schüler. Schüler bei uns am Don Bosco Vocational Technical Institute im Department General Agricultur. Also in der Abteilung, in der die Farmer ausgebildet werden, die mehr drauf haben, als der Durchschnittsfarmer in Afrika. Er hat eine Familie mit zwei Schwestern und einem Bruder, die etwa eine Autostunde von Sunyani entfernt lebt. Alle sind älter als er, haben allerdings keine gute Schulausbildung, weshalb alle drei Tagelöhner sind, deren Einkommen gerade einmal reicht um sich selbst zu versorgen und der Familie noch einen kleinen Teil abzugeben. Deswegen kann seine Familie ihm auch nicht diese Schulausbildung völlig finanzieren, die, wenn man sie mit anderen Ausbildungen hier in Ghana vergleicht, spottbillig ist. Solo finanziert sich deswegen seinen Lebensunterhalt und einen Teil seiner Schulausbildung mit Arbeiten im Salesianerhaus. Wenn er nicht gerade in der Schule ist, kocht er, wäscht ab, putz und tut noch vieles mehr. Für einen Tag harter Arbeit, bekommt er 2 GHC (Ghanacedis). Das sind nach jetzigem Umrechnungskurs 1,3 Euro. Viel ist es nicht, wenn man bedenkt, dass er meist fünf Tage in der Woche arbeiten kann. Das macht dann 10 GHC (6.4 Euro) in der Woche, die er braucht, um sein mageres Taschengeld von zu Hause aufzubessern.
Ich war vor zwei Wochen einmal bei ihm. Er wohnt in einem kleinen, zirka 7 m2 großen Zimmer in dem sein Bett, sein kleiner Tisch auf dem er lernt und isst, und seine ganzen Klamotten, die er in alten Koffern und Taschen geordnet hat, sind. Aber viel zu ordnen gibt es da nicht. Als ich bei ihm war, brachte er mir Schnitten und Cola. Ich konnte nicht ablehnen, da ich ihn sonst beleidigt hätte. Aber was ich da im Zimmer gegessen habe, dafür musste er sicher mehr als nur zwei Tage arbeiten. Anschließend fuhren wir noch zu einer Freundin von ihm. Ich wollte das Taxi bezahlen, dufte von ihm aus allerdings nicht. Bei seiner Freundin angekommen, schauten wir Wrestling-DVD’s (ganz Ghana ist verrückt danach) und aßen leckeres Fufu mit Erdnusssuppe. Von dort, fuhren wir dann wieder nach Hause, wo er mich dann, nachdem er mich bis zur Haustür gebracht hatte, verabschiedete.
Sein großer Traum ist es, nach diesem letzten Schuljahr hier in unserer Schule, eine eigene kleine Farm aufzumachen. Mit der Verwirklichung dieses Traumes, muss er sich allerdings noch etwas gedulden. Denn um selbstständig zu werden, braucht man am Anfang viel Eigenkapital. Geld, das Solo noch nicht hat. Deswegen wird er versuchen, nächstes Jahr eine fixe Anstellung an einer kleinen Farm zu bekommen.
PS: Dieser Bericht ist nicht als Aufruf gedacht um jetzt eine Spendenaktion zu starten. Alles was ich damit erzielen will ist, dass die Leute erfahren, wie gering das Einkommen mancher Menschen hier in Ghana ist und wie offen, freundlich und ganz und gar nicht geizig sie mit dem Wenigem das sie besitzen sind.
LG!
Clemens

Sunyani, 19.4.2008
Heute war ein verrückter Tag (17.4.08). Gestern, am späten Nachmittag und Abend, ging der erste wirklich richtig starke Regenschauer in diesem Jahr nieder. Dem voraus kam ein Sturm, der viele Bäume entwurzelte oder umknickte und viele Dächer in den umliegenden Ortschaften abdeckte. Auch unsere Schule blieb nicht unversehrt. Viele Bäume brachen, so dass die Schüler einen ganzen Tag benötigten um die vielen Äste und Stämme, die teilweise unsere, durch den Regen stark beschädigten Straßen, blockierten, wegzuschaffen. Deswegen blieben auch die Klassenräume geschlossen. Die Jungs holten sich ihre Buschmesser und machten sich daran das Holz kleinzuhacken, während die Mädchen mit ihren Besen die Straßen und Wege, so wie das Innere der Schule säuberten. Den ganzen Tag über sah man Leute mit Buschmessern durch die Gegend gehen.
Gott sei Dank, wurde keiner unsere Schüler oder Arbeiter verletzt, so dass die Schäden wieder gut zu machen sind. Der positive Effekt bei der ganzen Geschichte ist, dass unsere Kantine jetzt genug Feuerholz hat, um das ganze restliche Schuljahr zu kochen.
LG!
Clemens

Sunyani, 11.4.2008
Ostertrip - DIASHOW vom Ostertrip - Fotogalerie Ostertrip
Alles begann mit der Ankunft von Patricks Verwandten. Seine Schwester und seine beiden Brüder waren jeweils mit ihren Freunden und Freundinnen gekommen. Alle sieben kamen erschöpft am Sonntag dem 17. März bei uns am Abend an. Sie verbrachten noch zwei Tage hier bei uns in Sunyani und schauten sich die Stadt und die Schule genauer an. Am Mittwoch ging es dann los. Patrick hatte am Vortag ein super Trotro (Sammeltaxi) bestellt, welches ganz untypisch für Ghana sogar eine halbe Stunde vor der ausgemachten Zeit am Treffpunkt war. Unsere Fahrt ging gleich am frühen Morgen los, in den Nationalpark Mole. Dieser ist mit Abstand der größte hier in Ghana und auch der, mit den meisten frei lebenden Tieren. Die Größe ist vergleichbar mit der Steiermark und Niederösterreich zusammen.
Unsere Reisegruppe, die aus David, Patrick, seinen Geschwistern und Freunden, einer amerikanischen Austauschschülerin und mir bestand, brauchte den ganzen Tag um zu unserem Hotel zu gelangen das nahe dem Dorf Larabange gelegen ist. Anfangs ging es sehr zügig voran. Von Sunyani fährt man als erstes eine gute Stunde in die nächste größere Stadt nach Tetshiman, von dort zwei Stunden nach Kintampo, zwei Stunden Richtung Tamale bis man die Kreuzung nach Larabanga erreicht hat und von dort weg fünf Stunden über schlechteste Straßen zum Hotel.
Interessant war zu beobachten, wie sich die Landschaft veränderte. Bis zu unserem Ostertrip, war Kintapo die nördlichste Stadt in der ich bisher gewesen bin und die Gegend rund um die Stadt sieht der in Sunyani sehr ähnlich. Fährt man allerdings 20km weiter, so kann man schön den Übergang von Buschland in Savanne beobachten. Die Region Brong Ahafo, in der die drei Städte Sunyani, Kintampo und Tetschiman liegen ist buschig und hügelig, was den Straßenbau erschwert und somit oft wilde Kurven, Berg und Talfahrten entstehen lässt. Hingegen ist in der Northern Region das Land flach. Kein Berg und kein Tal zu sehen und außer der rötlichen Erde auf der einige Affenbrotbäume wachsen, gibt es dort auch nichts. Somit sind die Straßen einfach zu bauen und man kommt schnell auf den kilometerlangen geraden Straßen voran.
Unser Hotel lag, wie gesagt, etwas abseits von Larabanga, ein Stück weit im Naturpark auf einer Anhöhe von der man wunderbar auf zwei Wasserlöcher blicken konnte in denen am Vormittag immer die Elefanten badeten. Es war schon ein wenig kitschig, dort im Hotel am Pool zu liegen, in der Früh, zu Mittag und zu Abend köstlich zu speisen und dann von Zeit zu Zeit einmal zu der Aussichtsplattform zu gehen ein paar Elefanten beim Baden zu beobachten. Es gab aber nicht nur Elefanten in diesem Park. So kam jeden Tag eine Paviangruppe vorbei, die unsere Mangos stahl und drei Paviane fingen fast mit Stefan zu raufen an, als dieser ihnen wieder seine Sonnencreme wegnahm, die diese kurze Zeit zuvor von ihm gestohlen hatte. Die Tiere waren unglaublich intelligent. Es war kein Problem für sie Mülleimer zu öffnen und auch den Sonnencremeverschluss bekamen sie nach kurzer Zeit auf. Allerdings schmeckte die Creme nicht besonders. Einmal machten wir auch noch einen Buschtrip, bei welchem uns ein Führer begleitete. Dieser war mit Gewehr für den Notfall ausgestattet, da es auch Löwen und Leoparden im Park gibt. Wir sahen bei diesem Trip eine ganze Menge Antilopen, viele bunte Vögel, Affen, Wildschweine, die bis zu unserer Hotelzimmertür kamen und Krokodile. Am nächsten Tag machten wir dann eine Safaritour mit dem Jeep. Auf dem Dach und die Girls im Wagen. Es war Großartig. Wir sahen zwar dieselben Tierarten, machten allerdings am Ende der Tour beim Wasserloch einen Stopp um den Elefanten aus nächster Nähe beim Trinken und Baden zusehen zu können.
Einmal machten Patrick, David, Verena und ich auch noch einen Radausflug nach Larabnga um uns die älteste Moschee in ganz Ghana anzusehen. Es war ein interessantes Gebäude das mit seiner weißen Farbe und den vielen Holzstecken, die aus den Wänden ragen toll in das Dorf, das aus reinen Lehmhütten bestand, passte.
Wir blieben drei Nächte in dem Hotel, das zu 95% nur Weiße besuchen. Dann trennten wir uns. David und ich machten uns auf den Weg nach Tamale und Patrick und seine Leute fuhren weiter nach Kumasi. Tamale ist die viertgrößte Stadt in Ghana, kommt einem aber viel kleiner vor. Es gibt nicht wirklich etwas zu begutachten als Tourist. Aber eines konnten wir feststellen. Das Leben verläuft im Norden um vieles ruhiger als im Süden. Die Autos hupen nicht so oft, am Markt wird nicht um die Wette Ware angeboten usw. Wir blieben eine Nacht in Tamale. Ein besonderes Highlight noch: Ich bekam das beste Fufu meines Lebens auf der STC Station (Busstation) in Tamale. Und günstig wars auch noch (30 Cent für mehr als ich essen konnte) Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Bolgatanga und von dort auf nach Paga. In Paga besuchten wir die heiligen Krokodile. Eines dieser gewaltigen, bis zu drei Meter lange Krokodile, kam aus dem Teich für uns, wurde ganz zahm, so dass wir Fotos mit diesem machen konnten und sogar auf im sitzen durften. Aber ganz geheuer war’s mir trotzdem nicht. Das größte Krokodil im Teich haben uns die Führer geholt. Dreieinhalb Meter und ein Maul mit Zähnen die einen Schildkrötenpanzer öffnen können.
Paga ist auch eine Grenzstadt. Eine Grenzstadt zu Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt. Wir haben auch mal über die Grenze geschaut, aber es sah dort ganz ähnlich aus wie in Paga :-) Von Paga fuhren wir wieder zurück nach Bolgatanga und von dort mit dem Nachtbus nach Accra, weil im Westen, in Wa gerade Aufstände waren und wir dort nicht hin konnten. Das war eine Fahrt vom nördlichsten Norden an die Küste im Süden. Um 1 Uhr fuhren wir in Paga los und um 5 Uhr am nächsten Morgen, kamen wir in Accra an. Von dort nahmen wir uns ein Trotro nach Ho in die Volta Region. Die Voltaregion gehörte in früheren Zeiten zu der deutschen Kolonie, die jetzt Togo heißt. Die Volta Region ist ganz anders als der Norden. Grün und bergig. „Bergig“ ist nicht ganz richtig, aber wenn man nun schon acht Monate in einem Land ist, in dem es kaum eine Erhöhung gibt, die auch nur vergleichbar ist mit einem 2000er in Österreich, dann sind schon größere Hügel Berge für einen. Ho ist eine schöne Stadt. Ganz untypisch für Ghana. So kam es mir zumindest vor, oder es lag vielleicht auch nur an der „bergigen“ Landschaft rund um die Stadt. Aber dennoch kam sie mir sauber und gut strukturiert vor. Von Ho aus machten wir uns auf den Weg nach Amazetofie. Dies ist das höchstgelegene Dorf in Ghana. Wir verbrachten eine Nacht dort und genossen die „Bergluft“. Vom Dorf aus erstiegen wir auch den Dorfberg. Für den ganzen Aufstieg benötigten David und ich ganze zehn Minuten. Aber die Aussicht war super. Wir konnten nach Togo blicken, wo es viel höhere Berge gibt, und auf der anderen Seite auf den Volta blicken.
Von Amazetofie fuhren wir am nächsten Tag wieder nach Ho und von dort nach Keta. Keta liegt im Voltadelta auf einer Sandbank. Auf einer Seite ist das Meer, auf der anderen der Volta der hier eher wie ein See als wie ein Fluss aussieht. Wir gingen in Keta an den Strand um etwas zu baden, als wir zufällig mit Fischern zusammentrafen, denen wir den ganzen Nachmittag halfen ihr Netzt einzuholen. Eine Knochenarbeit und der erwartete große Fang war auch nicht mehr als zwei größere Fische und eine Waschschüssel kleiner Sardinen. Und für das arbeiteten vierzig Männer den ganzen Tag am Strand und zehn Frauen sorgten für das leibliche Wohl der Männer. Uns wurde zum Dank für unsere Arbeit einer der zwei großen Fische geschenkt, den wir am selben Abend noch in eine Chopbar brachten und dort gut zubereitet zum Essen bekamen.
Von Keta ging es dann am nächsten Morgen weiter nach Ada. Um nach Ada zu gelangen, machten wir eine Schifffahrt mit einer aus Deutschland ausgemusterten Fähre über den Volta. Es war großartig. Wir sahen tropische Inseln im Fluss, die Passagiere mussten manchmal durchs Wasser gehen um auf das Schiff zu gelangen. Wir stiegen einfach bei einer Haltestelle aus, die uns gut gefiel. Von dort war es nicht weit zu unserem Hotel. Es bestand nur aus ein Paar Hüten am Strand, kein Strom und kein fließendes Wasser. Aber der Strand war genial. Wenn man am Morgen aufstand, sah man tropische Inseln mit Palmen auf weißen, sauberen Stränden im Voltadelta vor sich. Man brauchte nur 15 Meter gehen und konnte im warmen Wasser des Voltas baden, das reinstes Süßwasser war und dennoch Sandstrände hatte wie das Meer, das nur 40 Meter in die andere Richtung entfernt lag. Die ganze Anlage war auf einer Sandbank errichtet, die nicht breiter war als 50 Meter. Auf dieser Sandbank gab es Palmen mit köstlichen Kokosnüssen auf wunderbaren feinen Sandstränden. Unsere Hütte war gebaut wie ein Einheimischenhaus. Es bestand aus geflochtenen Palmblättern, die stärker waren als ich vermutete, und hatte innen nur ein Doppelbett mit Moskitonetz und einen Stuhl. Einen richtigen Boden gab es nicht. Alles stand auf Sand, wie es außen der Fall war. Und auch die Preise waren OK. Umgerechnet 30 Cent zahlten wir für die Bootsfahrt und 7 Euro die Nacht für die ganze Hütte.
Zwei Nächte blieben wir und machten uns dann wieder auf den Heimweg. Erst nach Accra und von dort aus nach Kumasi und Sunyani. Angekommen sind wir dann irgendwann am Freitag dem 29. spät am Abend.
Es war ein wunderbarer Urlaub und ich bin mir sicher, noch einmal, kurz vor meiner Heimfahrt einige dieser Plätze zu besuchen.
LG!
Clemens
Sunyani, 4.4.2008
Buschfeuer
Ich glaube es war Anfang März, als die bereits wieder nach vier Monaten eingesetzte Regenzeit für einige Tage aussetzte und das ganze Land sich erneut leicht bräunlich färbte und Buschfeuer rund um die Stadt Odumase wüteten. Das Feuerwehrauto das für ganz Sunyani und die vielen umliegenden kleineren Ortschaften wie Odumase zuständig ist, war im Dauereinsatz um die Häuser am Stadtrand zu schützen. Zum ersten Mal seit Jahren, kamen die Flammen auch bis zu unserem Projekt. Die Mauer, die das Schulgelände abgrenzt war kein Hindernis, so kamen die Flammen als erstes in den kleinen Wald hinter dem Fußballfeld. Das Graß war trocken, so dass bald der ganze hintere Bereich des Fußballfeldes loderte. Bemühungen der Schüler waren vergebens um das Feuer aufzuhalten und auch die gerufene Feuerwehr konnte nicht viel ausrichten. Zum Glück gibt es in unserem Projekt allerdings nicht viele Stellen an denen das Graß hoch steht, so dass das Feuer sich nicht weiter ausbreiten konnte. Hinter der Mauer brannte es aber weiter, was einigen Bauern erheblichen Schaden zufügte. Viele Wälder für Holz, Jam, Kasava, und Mais wurden vernichtet. Am Nachmittag brannte sich das Feuer rund um unser Projekt, bedrohte das Haus unserer Köchin, die einen Bananenbaum fällen musste um schlimmeren Schaden zu verhindern, kam bedrohlich nahe an das Salesianerhaus das nur mit Hilfe der Jungs die im Heim waren geschützt werden konnte und kam dann am späten Nachmittag direkt hinter unserem Haus zum stehen, brannte aber noch die ganze Nacht an anderen Orten weiter und zerstörte fast den Markt von Odumase.
Eigenartig zu beobachten war allerdings wieder die unterschiedlich die Leute mit dieser Situation umgingen. Die Italiener und Polen liefen aufgeregt durcheinander, hingegen nahmen es die Ghanaer recht locker. Sogar die Feuerwehr hatte noch genügend Zeit um für mich kurz anzuhalten und für Fotos zu posieren. Anschließend gaben sie mir sogar noch eine kleine Führung und erklärten mir ihr tolles Feuerwehrauto (ausgemustertes altes österreichisches Feuerwehrauto). Aber wie sich unsere Schüler verhielten war grandios: Sie kamen mit vollen Kübeln gefüllt mit Wasser, die sie am Kopf trugen, gingen in den Busch und kamen wieder mit gefüllten Kübeln voll mit Plantain oder Jam.
Gott sei dank wurde allerdings nicht viel zu viel zerstört, wie es in einem Dorf der Fall war, das die Salesianer betreuen. Vor einem Monat brannte die gesamte Ernte nieder und eine Woche später blies ein so starker Wind, dass dieser viele der einfachen Lehmhütten abdeckte. Dieses Jahr wird verdammt hart werden für die Menschen in diesem Dorf. Doch die Salesianer versuchen ihnen so gut es nur irgendwie geht zu helfen. So werden beispielsweise die Häuser wieder neu gedeckt und können bald wieder bezogen werden.
LG! Clemens

Sunyani, 11.3.2008
Grotto
Es ist viel passiert, seit der Schlangenjagd vor zwei Wochen. Letztes Wochenende bin ich mit ein paar meiner Schülerinnen und noch zwei Lehrern in die Nähe der nächsten Großstadt gefahren. Dort gibt es einen Wallfahrtsort, der der Heiligen Mutter Maria geweiht ist.
Am Freitag nach der Schule machten wir uns auf den Weg zu diesem Ort der gut 10km außerhalb von Tetchiman liegt. Diesen Wallfahrtsort machen große runde Felsen so interessant. Ghana ist ein flaches Land, in dem es nur kleine Täler und Hügel gibt. Da sind diese Felsen, die gut 30m hoch sind, schon eine Besonderheit. Wir sind am Freitagabend dort angekommen, da unser Trotro gut 2 Stunden verspätet war. Als wir ankamen, wurde unser Lagerplatz erst einmal hergerichtet. Wir schliefen einfach auf den Felsen oder weiter hinten in der Wiese, mit nur einem Betttuch oder einer kleinen Schaumstoffmatte als Unterlage.
Ich hatte einen herrlichen Platz! Ich schlief in einer kleinen Mulde, direkt an der Klippe, gut 25 Meter über dem afrikanischen Buschland, konnte allerdings nur schlecht schlafen, da ich den harten Fels nicht gewohnt war. Dafür war der Sonnenaufgang am nächsten Tag umso schöner. Ich hätte den ganzen Tag dort sitzen und auf das grüne Land unter mir blicken können. Jedoch hatten wir Programm. Die zwei- bis dreitausend Leute die gekommen waren, unterhielten sich köstlich, als unsere Schüler ein Theaterstück aufführten, über dessen Sinn in kleineren Gruppen direkt nach dem Spiel diskutiert wurde. Jeden Tag gab es eine Morgen- und eine Abendmesse, die für mich auch ganz faszinierend waren. Afrikanische Messen kenne ich mittlerweile schon gut. Jedoch mit so vielen Leuten gemeinsam Messen zu feiern, mit Trommeln und ihren Gesängen, war schon toll. 24 Stunden gab es Leute die sangen oder beteten und ständig waren im Gelände Buschtrommeln zu hören.
Das ganze Wochenende verbrachten wir dort und es war das afrikanischste Wochenende das ich in Ghana je erlebt hatte. Ich ernährte mich ausschließlich nur von Kinkee, Banku, Fufu und Ampesit. Alles war köstlich und meine Schülerinnen luden mich ständig ein, ihre hausgemachten Gerichte zu probieren. Oft hatte ich drei Einladungen an einem Abend. Eine ganz außergewöhnliche Erfahrung für mich waren auch die hygienischen Einrichtungen bei diesem Fest. In Österreich kenne ich es von den Festivals: Wenn man für zwei oder drei Tage irgendwo im Freien lebt und Waschgelegenheiten nicht so häufig sind, dass man dann die Körperhygiene auf Zahn-, Gesichts- und Handreinigung beschränkt und halt nicht duscht. In Ghana geht das nicht! Um 3 Uhr 20 wurde ich geweckt um duschen zu gehen. Man hat mir einen Kübel in die Hand gedrückt, ich habe mein Handtuch, Seife, frische Unterwäsche und meine Zahnbürste genommen und bin zum Waschbereich gegangen. Dieser war einfach eine Mauer, so dass Männer und Frauen getrennt waren. Man besorgte sich zuerst das Wasser im Kübel, zog sich aus und fing an, sich irgendwie das Wasser aus dem Kübel auf dem Körper zu spritzen. Dass war schon eine eigenartige Atmosphäre. Nackt, mit 20 anderen nackten Ghanaern sich mit Wasser bespritzen, nur beleuchtet von einigen Lagerfeuer rund um den Waschbereich um halb vier Uhr in der Früh.
Die Toiletten waren auch ein Erlebnis, das sich in mein Gedächtnis gebrannt hat und mich wohl mein restliches Leben begleiten wird. Wiederum erinnerte mich die Situation an ein Festival in Österreich. Dort gibt es immer widerliche Toiletten, aber irgendwann muss man halt. In Ghana ist es ganz gleich. Man geht zu den Jungs, die Geld für die Toiletten verlangen (5 Pessoa = 3 Cent), bekommt eine Seite einer ausländischen Zeitung in die Hand und geht in das Toilettenhaus für Männer. Dieses war groß gebaut und sah eher aus wie ein Stall. Leider sah es nicht nur so aus, es roch auch wie in einem Kuhstall. Die Toiletten waren Löcher im Boden. Zwei Löcher waren immer in einer Kabine. Eine „Kabine“ war es aber auch nicht so wirklich. Links und rechts war eine Mauer zirka 1,2m hoch gezogen und eine Tür gab es nicht. Jeder der auf dem Weg zu seinem Loch war oder gerade von seinem Loch kam, konnte den anderen zusehen. Glücklich war ich mit den Bedingungen nicht, aber wie schon erwähnt: Wenn man muss, dann muss man halt.
Unser Trotro hatte am Sonntag wieder einmal die üblichen 2 bis 3 Stunden Verspätung, doch schließlich kamen wir dann alle irgendwann nach Hause.
Nationalfeiertag
Letzten Donnerstag war Nationalfeiertag in Ghana. Seit 51 Jahren ist nun schon Ghana unabhängig und dies wurde in allen Städten gefeiert. Das Militär marschierte, so wie alle Schulen und im Fernsehen waren stundenlange Reden von Politikern zu sehen. Ich fuhr nach Sunyani um mir die Feiern anzusehen. Tausende Leute kamen wieder um diesem Spektakel beizuwohnen.
Nach den Feiern traf ich eine meiner Schülerinnen, die mich zum Fufuessen einlud. Ich glaube ich bin nicht heikel, was das Essen angeht. Oder besser gesagt nicht mehr. Ich esse die Knochen, habe schon Hühnerfüße und Hühnermägen, Fischeingeweide und Fischköpfe gegessen und dennoch tat ich mir bei diesem Fufu mit Fisch schwer. Der Fisch war getrocknet worden und so lange gekocht, bis nur noch die Knochen, ein paar innere Organe und die Haut übrig waren. Mit der rechten Hand hab ich gegessen und mit der linken immer die Fliegen verscheucht. Als wir das Lokal verließen, bin ich gleich in die nächste Bar gegangen und hab einmal einen doppelten Schnaps getrunken. Aber bis heute habe ich von diesem Essen keine Magenbeschwerden bekommen.
Tag nach dem Nationalfeiertag
Am nächsten Tag sind wir dann zur Militärbasis in Sunyani gefahren. Dort hatten sie Tag der offenen Tür und zeigten voller Stolz was sie alles hatten. Das „Neueste vom Neuen halt“! Man zeigte uns gleich am Beginn ein Maschinengewehr, das die Deutschen für den zweiten Weltkrieg gebaut hatten. Dann noch Maschinengewehre, die mehr zu Rebellenarmeen als zum Militär passten und zum Schluss noch zwei Panzer. Ein südafrikanischer zehn Jahre alter und ein sicherlich mehr als zehn Jahre alter ausgemusterter schweizer Panzer. Den Ghanaern hat es aber gefallen. Der Ghanaer hat ohnehin schon Nationalstolz. Wenn sie dann noch eine Vorführung der Streitkräfte zu sehen bekommen steigt der Stolz fast ins unermessliche.
Es waren an diesem Tag allerdings nur wenige Einheiten in der Basis, da schon der Großteil der Streitkräfte aus Sunyani seit ungefähr zwei Monaten im Norden stationiert ist, da es dort zu gröberen Ausschreitungen gekommen ist und sich noch immer die Situation nicht völlig entspannt hat.
Liebe Grüße aus dem wieder grünen Ghana (Seit zwei Wochen regnet es wieder von Zeit zu Zeit, so dass alle ausgedörrten Wiesen und Büsche wieder neu zu sprießen beginnen. Der letzte Regen vor dem Beginn dieser Regenzeit, fiel vor vier Monaten).
Clemens

27,02,2008
Schlangenjagd Bilder zur Schlangenjagd
Es gibt hier in Ghana einige gefährliche Tiere. Wir haben Löwen, giftige Spinnen, Skorpione und Schlangen. Löwen gibt es hier nicht viele und die wenigen die es noch in Ghana gibt, leben in Naturreservaten weit weg von uns.
Das erste gefährliche Tier, welches ich hier zu Gesicht bekam, war ein Skorpion. Es gibt zwei verschiedene Arten. Es gibt große schwarze, welche etwas weniger giftig sind als die kleinen rötlichen. Die rötlichen gibt es im Norden, die großen schwarzen bei uns. Ich sah also als erstes einen toten Riesenskorpion im Noviziat. Ich war selbst von der Größe überrascht. Dieser war sicher 20cm lang. Das war der größte Skorpion den ich bis jetzt gesehen habe. Einen zweiten und dritten etwas kleineren Skorpion hab ich noch in den letzten Monaten gesehen, aber beide waren bereits mit Steinen erschlagen. Diese waren um die 10 bis 15cm groß. Diese Skorpione sind zwar giftig, können aber keinen ausgewachsenen gesunden Menschen töten.
Wir haben auch viele Spinnen hier. Einige kleine im Haus, welche aber nicht stören und auch nicht zu vermeiden sind und ein paar echt große rund um unser Haus. Ich habe erst einmal eine richtig große Spinne gesehen. Ich ging in der Früh den normalen Schulweg von unserem Haus zur Schule, als ich eine zirka 13cm große Spinne sah, als sie gerade die Straße kreuzte. Sie war schwarz mit einem gefährlich giftig aussehenden gelben Muster auf dem Körper. Am Ende waren wir dann zu fünft uns sahen der Spinne zu wie sie sich elegant fortbewegte. Wir haben sie leben lassen, da die Spinnen nicht lebensgefährlich sind und auch sonst normalerweise keine Menschen attackieren.
Schlangen habe ich bereits einige gesehen. Man sieht sie hier sehr häufig auf den Straßen überfahren oder tot neben der Straße liegen. Zum meinen Glück habe ich erst einmal eine lebende Schlange gesehen. Diese war eine grüne Mamba und von der Länge her ungefähr einen Meter lang. Ich fuhr mit dem Rad und hätte diese Schlange fast überfahren. Zum Glück konnte ich noch in letzter Sekunde ausweichen. Ein anderes Mal fuhr ich ebenfalls mit dem Rad und war mit meinen Gedanken ganz wo anders, mein Blick war auf den Asphalt drei Meter vor mir gerichtet, als ich plötzlich den Körper einer grün-gelben Schlange sah. Diese war die größte die ich bisher gesehen habe. 2 Meter lang und der Durchmesser war um die sechs bis acht Zentimeter an der dicksten Stelle. Ich hatte einen ziemlichen Schock und wich noch im letzten Moment aus, bevor ich über die Schlange gefahren wäre. Als ich einige Meter vorbei war, stoppte ich und kam langsam zurück. Da sah ich, dass der Kopf der Schlange bereits beschädigt war und, dass sie auch in der Mitte blutete. Diese Schlange war also ebenfalls tot als ich sie fand.
Letzten Mittwoch ging David mit dem Müll hinter unser Haus, wo unsere Mülltonne steht. Da sah er eine ausgetrocknete alte Schlangenhaut neben einem Loch, gut zwei Meter neben dem Haus liegen. Der Hautgröße nach zu urteilen, musste diese Schlange gut eineinhalb Meter lang sein. Wir wussten aber nicht welche Schlange es war. War es eine grüne Mamba, eine schwarze Speikobra, eine braune, silberne oder gelbe. Und vor allem die wichtigste Frage: Ist sie immer noch in diesem Loch? Am nächsten Tag trommelte ich einige unserer Students zusammen und besprach mit ihnen die Lage. „Ganz klar, da müssen wir Wasser kochen und es in das Loch gießen. Die anderen warten am anderen Ausgang, mit Knüppeln bewaffnet ,bis die Schlange herauskommt, “ sagten einige unserer Schüler, die selbst über die Größe der Haut überrascht waren. Gesagt getan. Ich kochte das Wasser und gab es dann einem der Jungs. Dieser goss das Wasser in das Loch, die anderen Jungs warteten mit ihren Stecken am anderen Ausgang und ich hoffte gute Bilder mit meiner Kamera machen zu können. Wir warteten und… nichts geschah. Die Schlange war bereits ausgezogen.
Die nächsten Tage ging ich immer mit gesenktem Blick durch das Schulgelände um zu sehen wohin ich stieg. „How is your big friend,“ kam es immer von den Students und den Fathers, die alle von der Schlange gehört hatten, welche direkt unter unserem Küchenfenster sich häuslich eingerichtet und genüsslich sich gehäutet hatte.
Am Sonntag war es dann soweit. Ich war in der Stadt und als ich am Abend nach Hause kam, kamen mir bereits einige Schüler entgegen. Sie sagten ganz aufgeregt: „We have to show you something!“ Der Wachmann hatte unsere Schlange umgebracht. Er hatte sie leider schon entsorgt (in den Busch geworfen) als ich kam. Jedoch hatten Patrick, Wolfi und David noch Bilder von unserem gewaltigen Freund machen können, welcher eine schwarze Speikobra war. Die gefährlichste Schlangenart die es hier in Ghana gibt und die Schlange war größer als wir vermutet hatten. Gut 2 Meter berichtete mir Patrick und im Durchmesser sicherlich sieben Zentimeter. Ich glaube ihm, denn die Bilder die ich sah sprachen für sich. Die Schlange kam aus der Richtung in der unser Haus steht. Das heißt, dass die schwarze Kobra wahrscheinlich seit Donnerstag sich rund um unser Haus aufgehalten hat.
Ich muss sagen, dass mich die Nachricht von der toten Schlange sehr beruhigt hat. Eine Schlange im Busch zu sehen ist OK. Damit rechnet man und auch auf den Straßen und Wegen außerhalb der Schule. Aber eine große Schlange wie diese direkt als Nachbar zu haben gefiel mir ganz und gar nicht. Mehr Bilder zur Schlangenjagd

19.02.2008
Die letzten Tage hatte ich frei. Donnerstag, Freitag, das Wochenende und den Montag. Wir hatten Mittermferien, welche ich dazu nutzte, ein paar tolle Ausflüge zu machen. Am Donnerstag hatten wir noch Staffmeeting, bei der einige Dinge, die uns Lehrer betrafen besprochen wurden.
Es war eine ganz eigenartige Versammlung. In erster Linie ging es wie schon bei den letzten Versammlungen um die neue Schulreform. Eigentlich hätte sich schon dieses Jahr alles ändern sollen am ghanaischen Schulsystem. Da aber noch nichts fertig ausgearbeitet war und keiner wirklich wusste was nächste Jahr zu tun ist, wurde die Reform einfach um ein Jahr verschoben. Auch jetzt ist die Sache noch nicht ganz klar, aber es kommen vereinzelt immer mehr Pläne zum Vorschein und ich hoffe, dass bis Schulanfang endlich alles so weit ist, dass man mit der neuen Reform starten kann. Dass alle Lehrpläne, Stundeneinteilungen, Fächerverteilungen und so weiter feststehen glaube ich nicht.
Auf jeden Fall, waren wir Volontäre sehr an der neuen Reform interessiert. Leider nur wir vier Volos. Die Ghanaern schien es eher weniger zu kümmern was sie nächstes Jahr unterrichten, an welcher Schule und ob ihre Fähigkeit überhaupt noch gefragt sein wird. Die Diskussion über die Schulreform dauerte daher nicht länger als 25 Minuten in denen es hauptsächlich ein Gruppengespräch zwischen Father Peter (dem Direktor der Schule, der in Accra war um sich über die Reform zu informieren) und uns Volontäre gab. Die anderen Punkte auf der Liste wie der geplante Ausbau der Schule mit einer neuen Versammlungshalle und neuen Computerräumen oder die Auslastung der Tischlerei waren genauso schnell abgehakt.
Der Ausbau der Schule ist auch ein Thema, welches die Schule und vor allem Father Peter sehr stark beschäftigt. Die Situation der Schule ist im Moment nicht einfach. Eine große deutsche Spenderorganisation, welche großzügig den Aufbau der Schule finanzierte, wird im kommenden Jahr total aus dem Projekt aussteigen. Das heißt, dass die Schule gezwungen ist, Einsparungen in vielen Bereichen vorzunehmen. Allerdings ist es Father Peter gelungen, eine Unterstützung aus Polen zu bekommen. Polen will mit großer Wahrscheinlichkeit unserer Schule weiterhelfen in dem sie uns eine neue große Versammlungshalle bauen, welche noch im ersten Stock drei Computerräume beherbergt und die Halle selbst als Mehrzweckhalle für Sport und Spiel verwendet werden kann. Es ist leider Fakt, dass im Moment keine Organisation gerne bereit ist laufende Kosten zu übernehmen. Es hört sich für die polnische Regierung oder die polnische Entwicklungshilfe viel besser an, wenn sie sagen können, wir haben in Ghana einer Schule eine neue tolle Mehrzweckhalle und drei neue Computerräume gespendet, als zu sagen: „Letzten Jahr wurden 100.000 Euro für Lehrerghälter und Modernisierungsarbeiten an einer Schule in Ghana ausgegeben!“ Dies soll jetzt aber nicht heißen, dass sich die Schule nicht diese Halle wünscht. Die Schülerzahl ist so hoch wie noch nie und die Schulgebäude sind einfach am Limit mit der Schüleranzahl. Das neue Gebäude wird uns sicher viel weiterhelfen und vor allem hofft Brother Paolo (Administrator der Schule) dass die Halle vermietet werden kann und einer der Computerräume als Internetcafé betrieben wird, um eine Einkommensquelle für die Schule zu schaffen. Das Meiste an diesem Gebäude würden wieder die hauseigenen Abteilungen fertigen, so dass auch hier diese für das nächste Jahr mehr als genug zu tun hätten. Jetzt hoffen wir alle, dass in diesem Monat noch der Vertrag unterzeichnet wird und dann die Arbeiten los gehen können. Aber fix ist leider noch nichts.
Was allerdings fix ist, ist dass wir diesen Monat noch Internet im Projekt bekommen. Der Satellitenempfänger steht schon auf dem Dach des Noviziats und bald hoffe ich, dass ich nur noch in die Schule gehen muss oder zu unseren Nachbarn ins Noviziat um meine Mails zu versenden. Das Internet war absolut notwendig und ein totaler Glücksfall. Das Noviziat wird kräftig von den Salesianern auf der ganzen Welt unterstützt und diese haben eben auch die ganze Hardware für den Internetempfang gesponsert und werden auch die monatliche Rechnung bezahlen. Da es für die Kosten keinen Unterschied macht, ob nur das Noviziat Internet hat oder das Signal auch zu uns an die Schule geleitet wird, haben wir bald auch das Word Wide Web in unseren Computerräumen. Das freut mich als ICDL Computerlehrer wieder sehr, da ich derjenige bin, der das Modul Internet unterrichtet und in der Vergangenheit immer mit einer kleinen Internetkarte arbeiten musste, welche eine eher sehr geringen Geschwindigkeit beim Downloaden besitzt.
So nun aber wieder zurück zur Lehrerversammlung. Die ersten Punkte waren schnell besprochen, da sich das Interesse in Grenzen hielt. Als wir dann aber zur Kantine und zur Disziplin der Schüler kamen, wollte auf einmal jeder etwas dazu sagen. Über zwei Stunden haben wir über das Essen, die Gürtelschnallen einigen übercooler Schüler, die Haarpracht der Schülerinnen, über Schüler die meist nur Twi sprechen, Socken, Pullover, über die Anzahl der zugeknöpften Knöpfe bei den Hemden der männlichen Students und über einen Tanz einer Schülerin beim letzten Entertainmentprogramm gesprochen. Für mich voll langweilig. Jeder Schüler in meiner alten Klasse war so angezogen, wie sich unsere Schüler gerne kleiden möchten. Wir haben die Schuluniform deswegen in unserer Schule, da es in Ghana so üblich ist und da man den Unterschied zwischen reich und arm nicht schon an der Kleidung sehen soll. Einige unserer Schüler können sich tolle Handys, Schuhe uns viele schöne Sachen kaufen. Andere schlafen für ihr Mittagessen mit jemandem um ihren Hunger zu stillen.
Der Tanz der Schülerin, welcher so die Gemüter der Lehrer erhitzte, war für mich ganz normal. Es ging weniger um den Tanz, (es war ein reiner wackeltanz mit dem Hintern, was aber ghanaisch ist und sie es echt gut machte) als um die Kleidung. Für mich kein Problem. Man sieht in jeder Baywatchfolge oder am Schotterteich mehr nackte Haut als sie zeigte. Sie hatte ein Top an, welches mehr bedeckte als der Oberteil eines Bikinis und ein Tuch um die Hüfte welches etwas oberhalb der Knie endete. Außerdem trug sie noch einen ganzen Haufen Ketten um den Hals und die Gelenke. Wie gesagt, für mich kein besonderer Aufreger, aber unsere Jungs sind fast durchgedreht.
Um meinen Bericht noch zu vervollständigen, möchte ich noch über den Ausflug berichten, welchen ich letzten Freitag machte. Ich und Wolfgang fuhren mit dem Trotro zu einem Affendorf. In diesem Dorf sind die Affen heilig und dürfen nicht gejagt werden. Deswegen gibt es dort viele von ihnen. Sie leben teilweise bei den Menschen im Dorf und kommen immer wieder mal zu ihnen um was zu stehlen. Essen, Trinken und alles Mögliche. Die Affen waren eine tolle Attraktion, aber erst der Regenwald in dem wir waren vervollständigte diesen fantastischen Ausflug. Tolle riesige Urwaldbäume gab es zu begutachten und teilweise konnten wir auch ein paar Meter in die Höhe klettern. Das einzige Problem das wir hatten war, dass nach unserer tollen Führung kein Trotro mehr in die nächste Stadt fuhr. So warteten wir über eine Stunde an einer afrikanischen Trotrohaltestelle, bis ich einen Pickup organisierte, der rein zufällig noch nach Nkruansa fuhr. Alles in allem ein toller Ausflug, bei dem wir viel Spaß mit unserer lustigen Führerin hatten und tolle Bilder von Affen und Riesenbäumen machten.
L.G. Clemens
Neuer Lagebericht aus Ghana.
Sunyani, 13.2.2008
Der Afrika Cup ist Geschichte und mit Ägypten gab es am Ende auch einen verdienten Sieger. Die Spieler, welche die Ehre hatten ihr Land noch nach den Vorrunden zu vertreten, mussten in ihren letzten Spielen noch einmal ganz schön schwitzen. Zum Einen wegen der Anstrengung und zum Anderen wegen des Wetterumschwungs. Hatten wir in letzter Zeit doch überwiegend Temperaturen zwischen 30 und 36 Grad Celsius unter Tag, so kam es einem doch ganz angenehm vor. Dies war während der Trockenzeit, was bedeutete, dass es kaum Luftfeuchtigkeit gab und man daher um vieles weniger schwitzen musste als in den Monaten zuvor. Das Negative an dieser Zeit ist allerdings der viele Staub. Anfangs war er nur auf der Erde und kaum störend. In den letzten eineinhalb Monaten gab es allerdings Tage, an denen der Staub sogar in die Atmosphäre getragen wurde und man unter Tags in die Sonne blicken konnte. Dieser Staub fiel über den ganzen Tag verteilt immer wieder auf die Erde herab, sodass Autos, Häuser, Tiere und Menschen eigentlich immer schmutzig waren. Trockenzeit heißt vier Monate lang kein Regen, zu 98%iger Sicherheit jeden Tag ein strahlend blauer Himmel, tolle Sonnenuntergänge, brennende Lungen, schmutzige T-Shirts, Staubwolken hinter allen Autos und vor allem kalte Nächte. Wir hatten ein paar. Die niedrigste von uns mit unserem Thermometer gemessene Temperatur war 13 Grad Celsius in der Früh. Das war schon verdammt kalt. In der Nacht wussten wir uns nicht zuzudecken, da wir hier nicht mit dicken Decken wie in Österreich ausgestattet sind, die Fenster dichten nicht, was normalerweise ein Vorteil ist und in der Früh musste ich sechsmal einen Pullover anziehen um zur Schule gehen zu können. Ganz untypisch für Ghana.
Aber jetzt wird es anders! Alle sagen, das ist der Beginn der neuen Regenzeit. Ein Monat noch, vielleicht eineinhalb, aber dann regnet es wieder. Meinen ersten Regen nach drei Monaten spürte ich letzten Donnerstag. Es war ein kurzer Schauer der etwa zwei Minuten dauerte. Es war grade so viel, dass alles ein wenig nass war. Geregnet hat es nicht so viel, dafür waren umso mehr Blitze die über den nächtlichen Himmel zuckten, zu beobachte,. Zum Glück ist wieder alles beim alten. Wir schwitzen wieder richtig viel, die Nächte sind warm und statt der Staubwolke hängt jetzt immer eine Dunstschicht in der Luft, welche jede weite Sicht verhindert.
Meine dritte Malaria habe ich auch überstanden, auch wenn diese ganz anders war als die beiden zuvor. Keine zu hohe Temperatur, Durchfall, kaum Appetit und schwer in den Griff zu bekommen, da die normalen Medikamente nicht wirkten. Aber zum Glück gab mir mein Arzt gute Medikamente mit denen dann die Malaria schnell besiegt war.
Ab Donnerstag beginnen bei uns wieder die Ferien. Mittermferien im zweitem Term. Nur fünf Tage mit dem Wochenende, aber ich werde einmal die Gegend rund um Sunyani erkunden. Es soll hier ein tolles Affendorf geben und dann will ich noch mit einem Freund zu seiner Familie fahre und dort ein oder zwei Tage mit ihnen verbringen.
Sonst fällt mir nicht viel ein, was es noch zu erzählen gäbe. Die letzte Woche fesselte mich zu lange an das Bett um viele neue aufregende Geschichten zu berichte. Auch ist vieles schon so zum Alltag geworden, dass man zwar darüber staunt, es aber kurze Zeit später wieder verdrängt hat, weil man ganz andere Dinge im Kopf hat, welche einen beschäftigen. Auch in der Schule läuft alles bestens mit den üblichen kleinen Problemchen und Kopfschmerzen, welche einem die Schüler das eine oder andere Mal bereiten können. Im Großen und Ganzen bin ich aber hoch zufrieden mit ihnen und stolz auf das, was sie bei mir erlernt haben. Diese Woche werde ich mit der dritten Klasse das letzte große Kapitel beenden um dann die restliche Zeit für Wiederholungen, Vertiefungen und praktische Übungen zu verwenden, bevor sie ihre letzten Examen schreiben und dann in die Berufswelt entlassen werden.
L.G.
Clemens
Sunyani, 27.1.2008
Africa Cup 2008
Am 20 Februar war der Anpfiff zum Africa Cup 2008. Heuer wird dieses Turnier, an dem die 16 besten Fußballnationen Afrikas teilnehmen, in Ghana ausgetragen. Ghana, ohnehin schon eine fußballverrückte Nation, ist jetzt ganz dem Cupfieber erlegen. Die Matches werden mit großem Interesse verfolgt. Meist werden pro Tag zwei Spiele gespielt. Um fünf Uhr wird das erste angepfiffen und um halb acht das zweite. Am nächsten Tag werden dann die Spiele analysiert, bewertet, vergebenen Chancen wird nachgeweint und Torschützen werden gepriesen. Viele Ghanaer sind gut über Spieler und Trainer der einzelnen Nationen informiert, aber in diesen Tagen halten sich 70% aller Ghanaer für Fußball Experten.
Ich habe nun schon alle Vorrundenspiele gesehen. Mit Ausnahme am Dienstag, da an diesem Tag Strommausfall war, und kein Fernseher im Umkreis von einem Kilometer funktioniert hat. Das schöne hier in Ghana ist miteinander ein Spiel anzusehen. Kein Spiel habe ich alleine gesehen, oder war zwei Mal am selben Ort um mir Spiele anzuschauen.
Hier in unserem Projekt gibt es viele Brothers und Fathers aus den unterschiedlichsten Ländern Afrikas. Daher versuche ich immer mit denjenigen Leuten zusammen zu sein, deren Team spielt. So habe ich beispielsweise das Spiel Elfenbeinküste gegen Nigeria mit den Novizen zusammen erlebt. Die Stimmung war etwas niedergeschlagen, da der Großteil der Novizen aus Nigeria kommt und das Spiel für sie mit 0 zu 1 verloren ging.
Alle Spiele werden am Fernseher verfolgt, aber eigenartigerweise sind die Spiele kaum ausverkauft. Es sei denn Ghana spielt. Dann kann das Stadion gar nicht groß genug sein. Wenn Ghana spielt, besuchen wir Volontäre entweder das Salesianerhaus, wo wir das Spiel mit den ghanaischen Hausangestellten verfolgen, oder wir gehen in die Pfarre, wo bis zum 10 Februar ein Projektor angebracht wurde der in der großen Halle das Fernseherbild auf eine Leinwand projiziert. Dort war die Stimmung einfach super als am Donnerstag Ghana spielte und 1 zu 0 gewann. Ich schätze etwa 2000 Leute, die mit uns das Spiel verfolgt haben. Jeder der in Odumase wohnt und keinen Strom oder keinen Fernseher hat, kommt zu irgendwelchen Plätzen, wo das Spiel übertragen wird. Man sieht die Leute immer schon eine Stunde vorher zu den kleinen Geschäften kommen um sich die besten Plätze zu sichern und das kleine unscharfe Bild ein wenig besser sehen zu können.
Gestern war es dann so weit. Ich hatte am Montag noch Karten für die Spiele Kamerun gegen Sambia und Ägypten gegen den Sudan besorgt. 2€ und 80Cent hat die Karte für beide Spiele zusammen gekostet! Gespielt wurde in dem neu erbauten Stadion in Kumasi, welches 44000 Personen Platz bietet. Die Spiele waren nicht unbedingt die Topspiele, bei denen zwei Favoriten auf einander treffen, da Ägypten und Kamerun die stärkeren Mannschaften in Gruppe C sind und das letzte Spiel gegen einander gespielt hatten. Dennoch waren gute Spiele zu erwarten mit vielen Toren.
Das erste Spiel endete 5 zu 1 für Kamerun. Das Ergebnis spiegelte allerdings nicht die erbrachte Leistung der Teams wider. Kamerun war stark und spielte hervorragend, allerdings konnte Sambia meist dagegen halten und hatte beinahe eben so viele Chancen. Nur die Abwehr aus Sambia lies zu wünschen übrig und eröffnete mit vielen Eigenfehlern Kamerun einige Chancen, die zu glücklich erzielten Tore führten. Doch entstanden auch drei Tore aus tollen Kombinationen und Dribblings. Kamerun gewann das erste Spiel vollkommen zu Recht, allerdings war das Ergebnis viel zu hoch.
Das zweite Spiel war von den Erwartungen eher gering einzuschätzten. Alle erwarteten, dass das ägyptische Team nur so über die Spieler des Sudan hinwegfegen würde. Ägypten wird auch als ein großer Favorit für den Gesamtsieg gehandelt. Was dann kam war allerdings keine klare Sache für Ägypten. Der Sudan bereitete ihnen große Schwierigkeiten, sodass erst in den letzten zehn Minuten die Sache entschieden wurde, mit zwei weiteren Toren, die zu 3 zu 0 führten. Spielerisch waren beide Teams wieder topp. Aber wie schon im ersten Spiel, gab es typischen afrikanischen Fußball zu sehen. Schnelle, hohe weite Bälle über das Spielfeld, technisch stark, aber nicht in der Lage einen Konter zu spielen.
Was mir aber am meisten imponiert hat, war die Stimmung im Stadion. Bei weitem nicht voll, etwa 20000 Besucher, aber mit Trompeten, Trommeln und Schlachtgesängen waren die Leute voll mit dabei. In Österreich sind die Schlachtgesänge am Spielfeld meist aus der untersten Schublade. In Ghana ganz und gar nicht. Hier wird über Gott, Fußball, Buschdörfer und alles Mögliche gesungen, aber nicht der Schiedsrichter beschimpft und keine Spieler ausgebuht.
Wenn nicht Ghana spielt, hoffen die Leute nur guten, schnellen und vor allem interessanten Fußball zu sehen. Es wird für jeden Spieler applaudiert, der eine gute Leistung erbringt und man feiert ein jedes Tor. Egal für welches Team es gefallen ist.
Mein Tipp für den Gewinn des Africa Cup 2008 ist die Elfenbeinküste.
LG!
Clemens
Suniany, 21.1.2008
DIE ZWEI WEGE
Clemens berichtet über ein Leben in zwei völlig verschiedenen Welten
Heute möchte ich einmal darüber schreiben, wie ich Ghana wahrnehme und wie meine Eindrücke von diesem Land sind:
Was mir gleich am Anfang aufgefallen ist, waren die großen Unterschiede. Man findet diese Unterschiede überall. Das beste Beispiel ist mein Sonntag. Früh am Morgen breche ich manchmal mit einem Father in eines der neun Buschdörfer auf, welche die Salesianer betreuen. Es sind zwei Kilometer bis zu unserer Schulkreuzung. Dort muss man sich entscheiden, wo man hin will. Wenn wir Sonntag in der Früh nach rechts fahren, kommen wir nach fünf, sechs oder vielleicht auch sieben Kilometern in eine andere Welt. Dort beginnt der Busch! Das heißt, kein Strom, kein fließendes Wasser, keine Straßen usw. Je weiter man fährt, desto ärger wird es. Was einem noch am Anfang als “urig“ oder sogar als „romantisches Leben mit der Natur“ vorkommt, verwandelt sich nach und nach in ein echtes Armutsgebiet, in welchem man nicht mehr von Romantik oder Idylle spricht, sondern sich nur noch fragt, wie die Leute hier überhaupt leben können.
Man sieht kleine nackte Kinder mit aufgeblähten Bäuchen, mit Haarausfall, welcher sich durch große kahle Stellen am Kopf zeigt und durch Mangelernährung zu erklären ist, oder mit Behinderungen, die es so bei uns nicht geben würde. Augenentzündungen, amputierte Beine, welche gleich im Dorf abgenommen wurden, Zahnprobleme und vieles mehr sind keine Seltenheit. Besonders hart trifft es, wie immer, natürlich die Kleinen und Alten. Dennoch sind die Leute gastfreundlich. Sie teilen mit einem das Weinige, das sie haben, und man ist immer willkommen.
Wir feiern dann mit ihnen noch Messe und machen uns danach wieder, nachdem wir noch Süßigkeiten und kleine Geschenke verteilt haben, auf den Heimweg. Wenn wir zu Mittag wieder zu Hause angekommen sind, meint man in einer anderen Welt zu sein. Man hat Strom, einen Kühlschrank, genug zu essen, fließendes Wasser. Alles, was man braucht und noch vieles mehr.
Aber am frühen Nachmittag mache ich mich dann meistens auf den Weg. Ich nehme dieselbe Straße wie am Vormittag, nur biege ich dann auf der Kreuzung nicht nach rechts ab, sondern nach links.
Links Richtung Sunyani und Eusbeth. Ich fahre dann ins Eusbeth. Dieses ist das größte Hotel und auch das beste in ganz Brong Ahafor. Ich zahle dort 1, 80 Euro Eintritt und komme wiederum in eine neue Welt. Dort liegen die weißen Arbeiter der Goldfirma, eine Gruppe weiße Mädels, welche in der Sonne liegen und sich ihre Urlaubsbräune holen, und natürlich liegen die NGO’s und anderen Lehrer aus England, Japan, Deutschland, aus den Niederlanden oder Amerika am Pool. Man kennt sich gut und hat immer etwas zu reden. Ich genieße es, dort von Zeit zu Zeit meine Sonntagnachmittage zu verbringen. Auf dem größten Fernseher, den ich je gesehen habe, englischen Fußball zu sehen, mit einem kühlen Bier in der Hand am Pool zu liegen, oder einfach nur im Pool zu plantschen. All das lässt einen für diese Stunden vergessen, was man noch am Vormittag gesehen hat und wie schlecht man sich manchmal dort gefühlt hat. Als jemand, der kurz einmal vorbeikommt, mit ihnen ein wenig Zeit verbringt, und dann wieder abhaut. In die schöne blinkende Welt, welche nur zehn oder fünfzehn Kilometer von ihnen entfernt liegt und doch unerreichbar ist. Was können sie dort auch machen. Die meisten der Buschdorfbewohner sprechen nur Twi und haben nie etwas anderes gelernt außer Landwirtschaft.
Nach ein paar Stunden am Pool gehe ich dann meistens in die Stadt, um meine Mails zu checken und ein wenig im Internet zu surfen. Eine Stunde brauche ich meistens und danach gehe ich zum Radio. Ein paar Freunde habe ich dort gefunden, mit welchen ich noch die letzten 30 Minuten des Nachmittagsprogramms gestalte. Nach den Radioansagen gehen wir dann noch etwas trinken und eine Kleinigkeit essen, bevor sie mich nach Haus fahren.
All das, was ich des Öfteren schon am Sonntag erlebt habe, liegt nicht weiter als 20 Kilometer voneinander entfernt. Und dennoch sind es zwei Welten und beide Bewohner dieser Welten wissen voneinander. Die Buschdorfbewohner kommen natürlich auch in die Stadt und sehen, dass es dort Häuser gibt, die nicht aus Lehm gebaut sind und mehr als nur einem Regenschauer standhalten. Sie sehen das fließende Wasser, die Beleuchtung in der Nacht und das viele Essen, das einem immer an allen Ecken der Stadt angeboten wird.
Da ist es ganz klar, dass die jungen Leute meinen, in dem Dorf keine Zukunft zu haben und sie ihr Glück in der Stadt versuchen. Ich möchte da gar nicht urteilen, ob das richtig oder falsch ist, dass es die meisten in die Stadt zieht und diese dort als Schuhputzer oder Kokosnussverkäufer enden. Ich kann die Leute verstehen, die ihr Haus nicht nach jedem Regen neu bauen wollen, die nicht mehr in ihrer kleinen dunklen Hütte sitzen wollen, sondern meinen, es besser zu haben, wenn sie unter irgendeinem Vordach schlafen, das die Straßenlaterne beleuchtet. Viele haben es satt, oft Monate lang nur Kasava oder Plantain zu essen, weil es sonst nichts gibt, was gerade auf der Farm geerntet werden könnte. Sie ziehen es vor, als Schuhputzer ihr tägliches Brot zu verdienen und, wenn sie Glück haben, sogar ein wenig mehr. Sie können sich dann jeden Tag etwas anderes zum Essen kaufen.
Das ist es, was mich oft am Sonntagabend beschäftigt und worauf ich keine Antworten finde. Man muss eben auch die Leute verstehen die dort hinkommen, wo es mehr gibt. Mehr von allem. So wie in Europa, wo es einfach mehr Geld, mehr Waren und ein meist um vieles „angenehmeres“ Leben gibt. Dies ist auch oft der nächste Schritt, den ein Ghanaer macht. Viele kommen durch, aber noch viel mehr schaffen es nicht und werden wieder zurückgeschickt oder sterben auf dem Weg nach Europa.
L.G. Clemens
L.G. Clemens
Sunyani, 10.1.2008
Am 7. Jänner begann bei uns wieder die Schule. Wie wahrscheinlich bekannt ist, bin ich Lehrer der drei TC Klassen an unserer Schule. Typing and Computing nennt sich diese Abteilung und besteht zu 90% aus Mädchen.
Am Montag also hatten wir wieder die ersten Unterrichtseinheiten nach den Weihnachtsferien und in der zweiten Einheit hatte ich die Klasse TC2. Beatrice, eine Schülerin dieser Klasse kam an diesem Tag ganz in schwarz in die Schule. Wenn jemand ganz in schwarz gekleidet ist, weiß gleich ein jeder was los ist: Es ist jemand gestorben, der dieser Person sehr nahe stand.
Beatrice kam zu mir und gab mir eine Entschuldigung, welche sie für die nächsten zwei Wochen vom Unterricht befreit. Ich unterzeichnete die Entschuldigung und las als Grund: The Father died during the holidays.
Seit Montag ist nun Beatrice wieder zu Hause in Tetchiman. Heute erfuhr ich von einer Schülerin, welche ich zufällig am Weg traf, was denn nun geschehen war.
Der Vater war Taxifahrer. Am 20. Dezember stoppte er am rechten Straßenrand um bei seinem alten Taxi Wasser im Kühler nachzufüllen. Er stieg aus und öffnete die Motorhaube. In diesem Moment kam ein anderes Auto und rammte das seine frontal, so dass er zwischen den beiden Autos eingeklemmt wurde und noch an der Unfallstelle verstarb.
Ob der andere Fahrer betrunken war, oder unter dem Einfluss anderer Drogen stand, konnte mir die Schülerin nicht sagen.
Beatrice und ihre fünf Geschwister warteten am 20. Dezember zu Hause mit ihrer Stiefmutter auf den Vater, als sie die Nachricht erhielten, dass er starb. Die wahre Mutter starb vor 2 Jahre.
Beatrice ist nun in TC2 und hat wahrscheinlich keinen mehr, der für ihre Ausbildung aufkommt. Noch dazu ist sie die Erstgeborene, was in Ghana heißt, dass sie nun auf ihre kleineren Geschwister aufpassen und diese unterstützen muss. Ich hoffe nur für sie, dass sie wohlhabende Verwandte hat, welche es ihr ermöglichen ihren Weg fortzusetzen.
Am Samstag fahre ich mit einigen meiner Schülerinnen zusammen nach Tetchiman um am Begräbnis teilzunehmen.
Ich schreibe dieses Mail nicht um Spendengelder für Beatrice zu sammeln. Als ich das letzte Mal für Joseph und sein Studium um Hilfe gebeten habe, war die Anzahl der Spender und Spenderinnen so gewaltig, dass einiges an Geld übriggeblieben ist, welches ich für wohltätige Zwecke verwenden werde. Außerdem weiß ich nicht wirklich, wie jetzt die finanzielle Situation von Beatrice aussieht und ob sie wirklich die Schule abbrechen muss, da vielleicht keiner mehr für ihre Ausbildung zahlen kann und sie für ihre Geschwister sorgen muss.
Ghana ist ein für afrikanische Verhältnisse sehr reiches Land. Es gibt, wenn man es mit Ländern wie Nigeria, der Elfenbeinküste, Togo oder Burkina Faso vergleicht sehr viele reiche Leute hier und auch die Mittelschicht ist um vieles größer als in den anderen Ländern. Den Leuten geht es hier nicht so schlecht, dass sie um ihr tägliches Brot kämpfen müssen oder an Hunger sterben. Dies gilt aber nur so lange, so lange die Leute gesund sind und arbeiten können. Wenn man krank ist und nicht mehr für sich selbst sorgen kann, muss man darauf vertrauen, dass einen die Familie unterstützt und wenn die es nicht kann, dann müssen die Verwandten aushelfen.
Wenn man allerdings keine gut verdienenden, reichen Verwandten hat und auch die Familie einen nicht mehr unterstützen kann, wird es kritisch und man muss selbst schauen wo man bleibt und seine Ausbildung, die im Verhältnis zum Einkommen sehr teuer ist, an den Nagel hängen. Dann beginnt allerdings ein Teufelskreis, der kaum mehr zu stoppen ist. Keine Ausbildung, kein guter Job, kein Geld, keine Möglichkeit seinen Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen usw. usw.
Deswegen ist es mir ein großes Anliegen, dass Beatrice ihre Ausbildung fortsetzt und ihren Weg geht.
Wie gesagt, bin ich nicht auf der Suche nach Spendern für Beatrice, da ich über ihre finanzielle Situation nicht wirklich Bescheid weiß. Was ich allerdings mit diesem Mail bezwecken will ist, ihre Aufmerksamkeit für solche Schicksale zu gewinnen und Sie anzuregen nachzudenken. Nachzudenken, wie gut es uns geht. Das wir in einem Land leben, in dem uns solche Schicksalsschläge zwar schwer treffen, uns aber nicht davon abhalten, das zu werden oder das zu erreichen was wir wollen.
Clemens
Liebe Freunde!
10.12.2007
Habe von Clemens aus Ghana einen Hilferuf bekommen.
Zu Beginn des Herbstes habe ich ja schon einen Laptop für einen Lehrerkollegen, der noch eine weitere Ausbildung auf der Uni macht, mit eurer Hilfe organisiert.
Jetzt bittet mich Clemens darum, auch ein wenig Geld für den besagten Lehrerkollegen aufzutreiben, da er sich die Studiengebühren fast nicht leisten kann.
Wenn also jemand einige Euro entbehren kann, werde ich sie bei meinem Besuch ab 20,12,2007 in Ghana übergeben.
Es handelt sich um 6 Millionen Cedis, das sind ungefähr 400 Euro.
Wenn wir etwas zusammenlegen kann vielleicht ein großer Teil als Weihnachtsgeschenk für Joseph überbracht werden.
Joseph hat auch einige Unterlagen aus Ghana mitgeschickt, die ich gerne weiterleite.
Eure Spenden bitte auf folgendes Koto:
Krapscha BLZ.: 38240 Kto.: 3001518 Kennwort „Joseph“
Mit lieben Grüßen!
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Und hier ist die Seite von einem Vorgänger von Clemens:
Georg Feiner in Ghana