Home
Suche im Dekanat
Hilfe
Mail
Dekanat Mürztal
Dekanat Muerztal
Pfarre Spital am Semmering

Die Pfarrkirche

Geschichte der Pfarre und Pfarrkirche Spital am Semmering

(Dr. Ruhri)

 

1160: als „Hospiz“ (= Beherbergungsbetrieb für Reisende und Kaufleute über den Semmering) erstmals genannt.

Markgrafen von Steyer („Traungauer“) erhielten das Gebiet als Erbe von dem ausgestorbenen Geschlecht der „Pittener“. – Es handelte sich um bewaldetes Gebiet („Cerewald“ = dunkler Wald, Fichtenwald), in dem Bauern angesiedelt und unter Grundherrschaft gestellt wurden. Eine derartige Besiedelung („Kolonisation“) war im MA stets mit der Verpflichtung des Grundherrn zur seelsorglichen Betreuung und damit zum Kirchenbau verbunden. Bis 1160 wurde das Gebiet durch eine „Urpfarre“ in St. Lorenzen im Mürztal durch Wanderpriester betreut. 1160 wurden das Hospiz und die Pfarrkirche im selben Gebäude errichtet.

 

1163: Erzbischof von Salzburg weiht die erste Pfarrkirche in Spital. (Von Salzburg aus wurde im 8./9.Jhd. das Christentum ins Mürztal gebracht; bis 1786 gehörte Spital zur Erzdiözese Salzburg, von 1786 bis 1859 zur Diözese Leoben und erst ab 1859 zur Diözese Graz – Seckau) Zur damaligen Zeit hatte eine Priesterbruderschaft (um 1200 erwähnt) ihren Sitz in Spital.

 

1270: wurde Mürzzuschlag Markt und übernahm die Aufgaben des Hospizes; Spital wurde nur noch Pfarrkirche (nicht mehr Hospiz).

 

1250 – 1260: Wegen Bevölkerungsanstieg Ausbau der Pfarrkirche: Presbyterium, Empore und Seitenschiffe kamen dazu (frühgotisch). Auch das westliche Eingangsportal entstammt dieser Zeit, was ein Beweis dafür ist, dass die Kirche bereits damals in der heutigen Länge erbaut wurde. Ein Chorschranken teilte damals das Presbyterium von der „Leutekirche“ Im Presbyterium durften sich nur die Priester und Messdiener aufhalten, wodurch das „Geheimnis der Eucharistie“ betont wurde.

 

1331: Der gesamte Besitz Spital wurde dem von den Habsburgern 1327 gegründeten Zisterzienserkloster Neuberg gestiftet. Von 1390 bis 1786 wurde daher Spital von den Neuberger Mönchen betreut.

 

1516 – 1520: neuerliche Vergrößerung: Emporen über den Seitenschiffen kamen dazu.

 

1786: Joseph II hob das Kloster Neuberg auf und alle Besitzungen gingen in den neu gegründeten Religionsfond über, aus dessen Erträgen neue Pfarren gegründet und finanziert wurden (bis 1939 mit der Einführung des Kirchenbeitrags). Spital war und ist eine Pfarre mit großen Pfründen und wurde daher wieder aus dem Religionsfond herausgelöst und dem „Pfarrer von Spital“ übertragen. (Ab 1789 war auch Neuberg wieder „Weltpriesterpfarre“, d.h. ohne Mönche)

 

Als ältester Teil entstand der Bereich zwischen den beiden Rundbögen Bis zur Höhe der Empore, mit flacher Decke: romanischer Stil.

 

Die schmalen, einbahnigen Fenster entstammen der Frühgotik, die zweibahnigen Fenster wurden in der Spätgotik eingefügt.

 

Im Presbyterium findet sich ein gotisches Kreuzrippengewölbe mit 7/8-Schluss, im Mittelteil blieb zunächst die romanische Flachdecke, die erst im 16. Jhd. entfernt und ein gotisches Gewölbe eingefügt wurde (im Mauerwerk finden sich noch Reste der Holzdecke).

 

Vermutlich war der Kirche seitlich das Spital angebaut, diese Teile wurden 1260 der Kirche eingegliedert.

 

Der Großteil der Spitaler Kirche stammt somit aus dem 12./13. Jhd.

Am Beginn des 20. Jhd. erfolgten weitere Änderungen im Neogotischen Stil:

1903- 1905: Vorhalle

1905: Erneuerung des Fußbodens

1910/1915: neues Taufbecken (das ursprüngliche Taufbecken – um ca. 1500- ist heute der Weihwasserkessel.)

Das flache Dach wurde im Bereich des Kirchenschiffs durch ein steiles ersetzt, über den Seitenschiffen entstanden Pultdächer.

 

Hochaltar:

ca. 1630 /1640 im klassisch barocken Stil (wahrscheinlich durch gleichen Künstler wie in Neuberg) erbaut.

Die Marienstatue in der Mitte des Hochaltars stammt aus der Marienkirche und befindet sich seit 1786 in der Pfarrkirche. Sie war ursprünglich romanisch und wurde gotisch überarbeitet. Da sie aus der Wallfahrtskirche stammt, stimmen die Größenverhältnisse mit den anderen Altarfiguren nicht.

Davor befand sich wahrscheinlich die Krönungsstatue an dieser Stelle.

Der Tabernakel wurde um 1800 eingefügt – auf ihm befindet sich die Darstellung „Die Emmaus-Jünger erkennen Jesus am Brotbrechen“.

Die Assistenzfiguren (li: Petrus, re: Paulus) stammen aus 1720/1730. Bei den Insignien des Petrus fällt auf, dass er statt des goldenen Schlüssels für die „Bindegewalt“ einen zweiten silbernen Schlüssel trägt (symbolisiert die „Lösegewalt“ des Petrus).

Der Altar selbst stammt aus dem Jahr 1905 und ist im neugotischen Stil gebaut.

Die Figuren oben am Hochaltar stellen in der Mitte Josef (mit der Lilie als Zeichen der Reinheit und den Zimmermannwerkzeugen), sowie außen Zacharias und Elisabeth mit Johannes dem Täufer dar. Der erhobenen Hand des Zacharias fehlt das Weihrauchfass, das Zeichen des Tempelpriesters.

Die linke Nische beim Hochaltar war eine „Sakramentsnische“ zur Aufbewahrung der geweihten Hostien (bis ins 17. Jhd.- nach der Reformation rückte die Hostie in die Mitte des Hochaltars). Die Nische stammt aus dem Jahr 1260, später im 15. Jhd. wurde das Fresko mit der Darstellung der Monstranz und dem Leiden Christi mit Anbetungsszene um die Nische herumgemalt. Das Fresko wurde 1967 wieder freigelegt.

Die Fenster hinter dem Hochaltar deuten darauf hin, dass der Altar ursprünglich weiter von der Wand entfernt war und der Aufbau erst im Barock hinzukam.

Die Nische rechts neben dem Hochaltar ist eine so genannte „Kännchennische“, hier wurde das Liturgische Wasser entleert.

Die rechte seitliche Nische ist eine „Sessio“, ein Priestersitz (gotisch).

 

Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1720, ihr fehlt der Schalldeckel. Auf ihr ist der Hl.Augustinus dargestellt.

 

Der Forianialtar stammt aus dem Jahr 1620, ist also 20 Jahre älter als der Hochaltar. Seit dem 15. Jhd. gab es in Spital nämlich eine „Florianibruderschaft“ (Vereinigung der Köhler), die diesen Altar mit ihrem Schutzheiligen errichtete.

 

Auf dem Altar findet sich auch das Neuberger Wappen, sowie die Statuen der „Pestheiligen“ Rochus und Sebastian. Oben auf dem Altar findet sich die Statue von Johannes dem Täufer.

Die Säule mit der Marienstatue stammt wahrscheinlich aus der Wallfahrtskirche.

 

Vor der Sakristei befindet sich eine „Anna lehrt Maria lesen“- Statue (Anna mit dem Kind Maria und einem Buch), und nicht, wie oft fälschlicherweise angenommen - eine „Maria - Selbdritt“- Statue.

Der rechte Seitenaltar (aus der Zeit 1620/30) ist ein klassischer Tabernakelaltar.1905 erhielt er einen neugotischen Aufbau.

Die schmalen Fensterbahnen und der 5/8 Schluss zeigen den altgotischen Ursprung.

 

Die Pieta stammt aus dem 18. Jhd. und befand sich ursprünglich nicht in der Kirche, worauf die nicht stimmigen Proportionen hinweisen. Ihre Herkunft ist nicht bekannt.

 

Das Gemälde an der linken Wand zeigt den „Traum Josefs“, in dem Josef vom Engel mitgeteilt wird, dass Maria ein Kind vom Hl. Geist empfangen habe.

 

Die Statue rechts rückwärts stellt Johannes Nepomuk dar, der im 14. Jhd. Erzbischof in Prag und Beichtvater der Königin war. Er wurde im 18. Jhd. von den Habsburgern zum Nationalheiligen erklärt, weshalb sich in jeder Kirche eine Statue von ihm findet. Außerdem wird er als Brückenheiliger verehrt, nachdem er von der Moldaubrücke in Prag zu Tode gestoßen wurde.

 

Die Orgel der Pfarrkirche stammt aus dem Jahr 1920.

 

Die Besonderheit unserer Pfarrkirche liegt vor allem in der Verschmelzung des romanischen und gotischen Stils.

 

 

Mitarbeiter- u. Terminlogin

... weitere Termine im Menü ganz links oben.