Anlässlich der Geburt seines Sohnes Emanuel im Juni 1997 erklärte sich das Ehepaar Manfred und Karin Gingl bereit, in der „Wachskammer“ der Weizbergkirche eine „Werktagskapelle“ zu stiften. Die Liturgiekommission der Diözese beauftragte hierauf den Grazer Architekten Dipl. Ing. Hermann Eisenköck mit der Planung und unseren Weizer Künstler Prof. Hannes Schwarz mit der künstlerischen Ausgestaltung. Am 9.8. 1998 wurde die Kapelle von Prälat Dr. Willibald Rodler geweiht.
Die Architektur des Raumes
Dem großartigen Raum der barocken Weizbergkirche, die unsere Ahnen erbaut haben, fügen wir einen kleinen Raum von heute hinzu mit der Sprache der Kunst und der Architektur des zu Ende gehenden Jahrtausends.
Was Architekten besonders interessiert, ist Räumen eine besondere Spannung zu geben. Dem Zierrat, den Statuen und den Fresken der großen Kirche hat Hermann Eisenköck eine einfache Form entgegengestellt, die diesen wuchtigen Dialog mit der Tradition auszuhalten vermag: Einen einfachen Winkel aus hartem Edelstahl, auf dem sich Altar und Bild befinden. Die gesamte Architektur der Emanuelkapelle steht unter diesem Anspruch der Moderne, sowie im Dienst der Botschaft der Bilder und des Altares.
Der Altar
Mag. Hannes Rauchenberger entwarf den Altar aus Glas als „Gedächtnisspeicher“ des Glaubens unserer Pfarre. Viele – vor allem Schüler haben ihre Vorstellungen von „Emanuel“ ( = „Gott ist mit uns!“) zu Papier gebracht. Es ist ein Altar des Volkes Gottes, keine einsame Opferstätte. Jede und jedes kommt darin vor: vom Ultraschallbild eines Embryos in den ersten Phasen der Schwangerschaft, über die Angst des Kindes, bei einem Autounfall die Mutter zu verlieren, das EKG des Lebens und die gerade Kurve des Todes, der Rosenkranzverein anno 1915 bis zur Kreuzwegstation. Stellvertretend für die vielen Beiträge wurden einige Bilder ausgewählt, mit dem Computer nachbearbeitet und in das zeitlose Material Glas sandbestrahlt.
Die Bilder
Im Altarbild weist eine hohe Stele in den grünen Horizont. Stelen sind Mahnmale, Stätten des Gedächtnisses. In diese Stele ist ein Körper gezeichnet, ohne Kopf. An der streng noch oben weisenden Form ist ein Kreuzansatz in der Mitte erkennbar. Wir können das Gebet aus dem 12. Jhd. beten: „Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, keine Füße, nur unsere Füße,...“
Das Bild mit dem weißen Tuch erinnert an Opfer, an falsche und richtige, an Reinheit und Unschuld.
Der rechte Winkel auf den drei kleinen Bildern hinten ist Symbol für das Geistige, den Logos. Links: Der Winkel (Geist) tritt von oben ins Bild. Mitte: Der Winkel (Geist) öffnet sich von unten nach oben. Rechts: Die beiden Winkelformen treffen sich im Kreuz. Es ist der künstlerische Entwurf, das Kreuz selbst geistig zu sehen.
Hannes Schwarz nennt das „Moderne“. Die Tatsache, dass wir alle vom „Baum der Erkenntnis“ gegessen haben. Dass wir selbst zur Frage geworden sind und dass wir uns befleckt haben, weil wir entscheiden.
In die Altarwand wurde jene uralte und gleichzeitig so moderne Stelle in lateinischer Sprache eingraviert, die das Harren auf Erlösung wie kaum eine andere zum Ausdruck bringt, die O-Antiphon zum Magnificat am 23.Dez. Die deutsche Übersetzung: „O Emanuel, unser König und Lehrer, du Hoffnung der Völker und ihr Heiland, komm und erlöse uns! Herr, unser Gott!“
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