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Buddhismus aus christlicher Sicht


Zur buddhistischen Weltanschauung:

Der Buddha übernimmt von seinem geistigen Hintergrund, dem Hinduismus die Vorstellung des 'Samsara', des leidvollen, ewigen Kreislaufes der Welten und Wesen. Gier, Hass und Verblendung bilden die Triebkräfte, die das 'Rad des Lebens' in Bewegung halten. Nach dem Gesetz des Karma führt jede Tat zu Konsequenzen, die weit über den Tod hinausreichen: Die ethische Qualität der Handlungen bestimmt die Position, die den Wesen im Rad des Lebens nach der Wiedergeburt zukommt. Die klassische buddhistische Konzeption geht von sechs Lebensformen aus: die Welten der Götter, der Dämonen und Menschen als positive, die Existenzen der Tiere, der Geister und der Höllen als negative Daseinsweisen, welche alle aber auch als leidvoll und vergänglich gedacht sind. Ziel für den Buddhisten ist die Überwindung dieses Kreislaufes durch das Eingehen in das Nirwana(Verwehen, Verlöschen). Wird das Nirwana ursprünglich negativ beschrieben, so entwickeln sich im Laufe der Zeit paradiesische Erlösungsvorstellungen.

Man kann von drei buddhistischen Merkmalen sprechen: Alles ist leidvoll, vergänglich und nicht selbst. Buddha verwirft die Idee eines beständigen Ich, das letztlich nichts anderes als eine Projektion sei. Sein Bemühen gilt daher besonders der Befreiung des Menschen von dieser unheilvollen Illusion. Da alle Teile der Persönlichkeit (Körper, Empfindung, Wahrnehmung, psychische Gestaltungen und Bewusstsein) dem Entstehen und Vergehen unterworfen sind, ist es auch sinnlos, nach einer unvergänglichen Seele in ihr zu suchen. Nicht ein Schöpfer- und Erlösergott, sondern allein die Praxis des achtfachen Pfades ist für die Erlösung entscheidend.       
  



Verschiedene Formen des Buddhismus:

Nach Buddhas Tod kommt es bald zu Meinungsverschiedenheiten und Spaltungen. Es entwickeln sich verschiedene 'Fahrzeuge', die, bildlich gesprochen, die Überfahrt ins Nirwana ermöglichen sollen. Innerhalb dieser 'Fahrzeuge' haben sich im Laufe der Zeit durch die Begegnung mit anderen Kulturen und Religionen viele verschiedene Richtungen und Traditionen herausentwickelt.
  1. Das 'Kleine Fahrzeug' (Hinayana, respektvoller: Shravakayana = 'Fahrzeug der Hörenden') steht ursprünglich für die Mönchsreligion; Erlösung ist nur für weltabgewandte Heilige (Arhat) möglich. Buddhas Lehre und der Meditationsweg stehen im Mittelpunkt des Selbsterlösungsweges. Schriftliches Dokument ist der Pali-Kanon, der Tripitaka = drei Körbe. Heute vertritt der in Südasien (Sri Lanka, Thailand, Laos) verbreitete Theravada-Buddhismus dieses Fahrzeug, der der ursprünglichen Lehre des Buddha am nächsten kommt.
  2. Das 'Große Fahrzeug' (Mahayana) bietet hingegen vielen Menschen Wege zur Erlösung an. Aus der Mönchs- wird eine Laienreligion. Eine markante Erneuerung ist die Gestalt des Bodhisattva, der als Erleuchteter verzichtet, ins Nirwana einzugehen, um allen anderen Wesen bei der Erlösung behilflich zu sein. Ein transzendenter Ur-Buddha ersetzt nun den historischen Buddha. Es entwickelt sich eine vielfältige buddhistische Götterwelt. Religiöse Bedeutung bekommen nun auch Gebete, Bilderverehrung, Riten und Feste. Zentral werden die Begriffe 'Mitleid' und 'Leerheit' (sunyata). Das Mahayana hat im Laufe der Jahrhunderte viele fiktive Lehren Buddhas (Sutren) übernommen und betrachtet diese als Heilige Schriften neben dem Pali-Kanon. Verbreitung findet dieses 'Fahrzeug' besonders in China, Japan und Korea. Zwei unterschiedliche 'Schulen' seien hier stellvertretend genannt: Das Zen, wo durch die Meditation unter Anleitung eines Lehrers der Schüler zu einer unbeschreibbaren inneren Erfahrung (Erleuchtung) kommt und realisiert, dass er und Buddha eins sind. Im Amitabha-Buddhismus genügen Glaube, Anrufung oder Verehrung des Buddha Amitabha, um nach dem Tod im Paradies, dem reinen glücklichen Land wiedergeboren zu werden.
  3. Das 'Diamant-Fahrzeug' (Vajrayana), auch 'Fahrzeug der heiligen Formeln' genannt: Diese Sonderform des Mahayana ist durch eine Vermischung mit okkulten, magischen und mystischen Elementen aus dem indischen Tantrismus entstanden und vor allem in Tibet und in der Mongolei präsent. Dieses Fahrzeug wird durch den tibetischen Buddhismus repräsentiert, im speziellen bei uns durch den Dalai Lama. Um zur schnelleren Erfahrung und Visualisierung des Transzendenten, der Buddhas, zu gelangen, werden unter Anleitung eines Gurus (=Lehrer) bestimmte Praktiken und Techniken benützt: Mantra (magischer Spruch), Mudra (körperliche Geste) und Mandala (Meditationskreis). Diese Praktiken, die Buddha für die Erlösung für hinderlich fand, sollen zur schnelleren Erleuchtung führen.

Drei Juwelen: Buddhist wird man nicht durch ein Taufritual, sondern durch das Aussprechen der dreifachen Zufluchtformel: "Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha. Ich nehme meine Zuflucht zum Dharma (Lehre). Ich nehme meine Zuflucht zum Sangha (Mönchs-Gemeinde)." Dieses Zufluchtnehmen zu den drei Juwelen wird bei jeder Versammlung erneuert, kann für einen Tag oder auch für das ganzes Leben gelten.

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