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Das Judentum


2. Was glauben Juden?

2.1. Der Ewige ist der Einzige!
Es gibt im Judentum keine Instanz, die Dogmen verkünden könnte. Die praktische Erfüllung der Gebote (mizwot) war ihm immer viel wichtiger als die Formulierung der Glaubensinhalte. Der zentrale Satz des Judentums - Glaubensbekenntnis und Kerngebet in einem! - ist das aus der Bibel (Deuteronomium 6) zitierte "Sch´ma Jisrael". Es wird in den täglichen Gebeten, beim Gottesdienst in der Synagoge und auch in der Todesstunde gesprochen:

"Sch’ma Jis’rael: Adonaj Elohejnu, Adonaj Echad!"
"Höre Israel: Der EWIGE (JHWH) ist unser Gott, der EWIGE (JHWH) ist der Einzige!"

Wie wichtig diese Worte sind, lehrt die Bibel selbst:

"Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen. Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst. Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden. Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Stadttore schreiben." (Deuteronomium 6,5 –9)

Die Mesusa (Kapsel mit dem Sch´ma) am Türstock und die Tefillin (Gebetsriemen mit Sch´ma-Kapsel) an Arm und Stirn des Betenden zeigen, wie wortwörtlich orthodoxe Juden diese Sätze nehmen.



2.2. Die 13 Grundsätze
Der berühmte Gelehrte Rabbi Mosche Ben Maiman (Maimonides, RaMBaM; 1135 – 1204) hat als Entfaltung des Sch´ma die "13 Grundsätze" (schloscha-asar ikarim) des Glaubens formuliert, die bis heute für orthodoxe Juden maßgeblich sind:
  1. Ich glaube mit ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, jegliche Kreatur schafft und lenkt und dass er allein der Urheber alles dessen ist, was geschah, geschieht und geschehen wird.
  2. Ich glaube mit ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, einzig ist und dass es keine Einheit seinesgleichen gibt, in keinerlei Hinsicht, und dass er allein unser Gott war, ist und sein wird.
  3. Ich glaube mit ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, unkörperlich ist und frei von jeder Möglichkeit, materiell vorgestellt zu werden; und dass ihm auch keine Gestalt beigelegt werden kann.
  4. Ich glaube mit ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, Anfang und Ende ist.
  5. Ich glaube mit ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, allein es ist, dem Anbetung gebührt, und dass es ungebührlich ist, außer ihm ein Wesen anzubeten.
  6. Ich glaube mit ganzem Glauben, dass die Worte der Propheten alle wahrhaftig sind.
  7. Ich glaube mit ganzem Glauben, dass die Kündung unseres Lehrers Moses, Friede ihm, die Wahrheit und dass er von allen Propheten, früheren wie späteren, der Vater war.
  8. Ich glaube mit ganzem Glauben, dass diese Tora, wie wir sie jetzt besitzen, die gleiche ist, die unserem Lehrer Moses übergeben wurde.
  9. Ich glaube in ganzem Glauben, dass diese Tora unverwechselbar ist und dass es nie eine andere Lehre vom Schöpfer her, gelobt sei sein Name, geben wird.
  10. Ich glaube mit ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, alles Tun und jegliches Trachten der Menschen kennt, wie es heißt: Er, der ihre Herzen ganz und gar gebildet, Er weiß auch all ihr Tun.
  11. Ich glaube mit ganzem Glauben, dass der Schöpfer, gelobt sei sein Name, wohl vergilt all denen, die seine Gebote erfüllen, und übel tut denen, die seine Gebote brechen.
  12. Ich glaube mit ganzem Glauben, dass der Messias kommt, und ungeachtet seines langen Ausbleibens erwarte ich täglich seine Ankunft.
  13. Ich glaube mit ganzem Glauben, dass einst zu seiner Zeit, wenn es dem Schöpfer, gelobt sei sein Name und erhoben sein Gedenken immer und ewig, wohl gefällt, die Toten auferstehen werden.

(Quellen:
Hirsch, Leo - Jüdische Glaubenswelt - Victor Goldschmidt Verlag, Basel, 1978.
Sidur S'fath Emeth - Victor Goldschmidt Verlag, Basel, 1972)

2.3. Glaube an das ewige Leben
Der Glaube an das Jenseits ist orthodoxen Juden selbstverständlich, aber über das Wie des Lebens in der "zukünftigen Welt" (Paradies für die Gerechten, Läuterung, Verdammnis der Ungerechten) gibt es keine verbindlichen Aussagen. Manche halten eine Wiedergeburt für möglich, aber nicht erstrebsam. Eine Wiedergeburt wird dabei Menschen zugedacht, die ein wesentliches Ziel auf Erden nicht erreicht haben.

Foto: Bretterklieber

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