Wer ist Jesus wirklich?
| Was die Forschung ans Licht bringtn
| | Kein ernstzunehmender Forscher bezweifelt heute, dass Jesus wirklich gelebt hat. Die Evangelien sind zwar keine exakten Protokolle, auch keine Biographie Jesu im modernen Sinn. Es sind Schriften von Menschen, die an Jesus als den Messias glauben und diesen Glauben in erzählender Form zum Ausdruck bringen, indem sie von den Geschehnissen im irdischen Leben Jesu berichten. So bekommen wir auch ein historisch verlässliches Bild von Jesus vermittelt, das im Telegrammstil so zusammengefasst werden kann:
geboren ungefähr im Jahr 7 vor unserer Zeitrechnung / aufgewachsen in Nazareth / Zimmermann / tritt mit ungefähr 30 Jahren an die Öffentlichkeit / erntet mit seinen Worten und Taten nicht nur Ansehen, sondern auch Widerstand / aufsehenerregend sind auch seine Heilungen / wird in einem nicht restlos geklärten Zusammenspiel jüdischer und römischer Kreise zum Tod verurteilt und gekreuzigt / später berichten seine Jünger, er sei ihnen erschienen, er sei auferstanden...
|  | „Was ist das für ein Mensch?“
| Wenn man einen Menschen gut kennt, entdeckt man schnell, dass die Informationen, die man etwa für die Ausstellung eines Reisepasses angeben muss, nicht besonders viel sagen: Was weiß man schon von einem Menschen, wenn man die Daten und Orte seines Lebens angibt, seine Gestalt, seinen Beruf, seine Beziehungen etc.? Wer dieser Mensch wirklich ist, was er einem anderen Menschen bedeutet, das ist damit noch lange nicht richtig zum Ausdruck gebracht. Nicht anders bei Jesus. Die Frage, wer Jesus wirklich ist, erweist sich aber auch deshalb als eine schwierige Frage, weil es in seinem Leben Einzigartiges gibt, das man nicht leicht einordnen kann. Hier hängt viel davon ab, mit welcher Einstellung jemand an Jesus herangeht. Ein religiöser Mensch, der bei aller Vorsicht und Kritikfähigkeit ein Eingreifen Gottes nicht für ausgeschlossen hält, wird die Auferstehung und die Wunder anders sehen als ein Mensch, für den die Religion eine fromme Täuschung ist.
Genau darin liegt der Grund, warum die Beschäftigung mit Jesus zu unterschiedlichen Jesus-Bildern geführt hat, und warum diese Bilder immer wieder die Züge ihrer Zeit und die Ideen ihrer Autoren spiegeln.
|  | Fakten
| Drei Aspekte gibt es im irdischen Leben Jesu, die man mit den strengen Methoden der Wissenschaft deutlich erkennen kann und die zugleich einen sicheren Ansatzpunkt für unseren christlichen Glauben ergeben. Ganz kurz zusammengefasst:
- das Auftreten Jesu, das buchstäblich aus dem Rahmen fällt: er läßt sich auf Menschen ein, die als von Gott Verstoßene, als Sünder gelten, auf Menschen, die gesellschaftlich und religiös an den Rand gedrängt sind, er wird deshalb als Kumpan der Zöllner und Sünder (Mt 11,19) bezeichnet. Aber gerade diesen Menschen wollte er die entgegenkommende Liebe Gottes deutlich machen, er wollte ihnen zeigen, dass sie bei Gott nicht abgeschrieben sind: „Die Kranken brauchen den Arzt, nicht die Gesunden“, sagt er (Mt 9,12).
- die Lehre Jesu, die deutlich erkennen lässt, dass er sich als der bevollmächtigte Sprecher Gottes versteht: "Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist (das heißt: das Gott zu den Vorfahren gesagt hat) ..., ich aber sage euch..." (Mt 5,21 f. u.ö). Die Staunenden sagen, er spricht „in Vollmacht“ (Mk 1,22.27), seine Kritiker sehen es als Beleidigung Gottes (vgl. Mt 9,3) an.
- die einzigartige Gottesbeziehung Jesu: Die Ehrfurcht der frommen Juden vor der Unbegreiflichkeit Gottes ist so groß, daß sie nicht einmal seinen Namen nennen. Jesus hingegen spricht Gott als „Abba“ (Mk 14,36), d.h. eigentlich „Papa“ an.
Mit welchem Grund tritt Jesus mit diesem Anspruch auf? Ist es Selbstüberschätzung? Oder steht dahinter etwas ganz anderes? Am Ende seiner Lehrtätigkeit spitzt sich diese Frage ganz scharf zu. Die Verurteilung zum Tod wird zum Prüfstein: Für gläubige Juden war klar: Ein Gekreuzigter kann nicht der Erwählte Gottes sein. Wenn er nur Mensch ist, hat der Spuk damit ein Ende.
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